Technologietransfer für eine nachhaltige, energieeffiziente und erdbebensichere Architektur in Ecuador (ATT)

Das Erdbeben im April 2016 in Ecuador zeigte mit rund 30.000 zerstörten Wohnungen die Notwenigkeit von erdbebensicherem Bauen auf. Das ATT-Projekt setzt mit seinen Maßnahmen genau dort an und ist ein Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen, energieeffizienten und erdbebensicheren Architektur in Ecuador.

Trainingswoche im Tischlern

Berufspraktisches Training der Studenten und Dozenten der PUCE im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft in Brandenburg an der Havel im Rahmen des ATT-Projekts im Juli 2016. © Walter Jahn

Ziel des Fördervorhabens

Ecuador hat aktuell große Verluste in den Einnahmen durch den Verfall des Erdölpreises zu verzeichnen. Deshalb ist die ecuadorianische Regierung stärker als zuvor an ausländischen Investitionen interessiert. Sie wirbt besonders in den Bereichen Industrie, Ölförderung, Energie- und Wasserwirtschaft, Telekommunikation sowie Bergbau. Die Potenziale sind enorm. Überall werden qualifizierte Facharbeiter und Ingenieure benötigt.

Auch in der Bauwirtschaft werden Architekten und Bauingenieure gesucht, die das nachhaltige, energieeffiziente und erdbebensichere Planen und Bauen beherrschen. Das Erdbeben im April 2016 zeigte leider eindrucksvoll diese Notwendigkeit: 30.000 Wohnungen waren komplett zerstört.

Hier setzt das Projekt ATT an. Die TU Berlin und die Pontifical Catholic University of Ecuador (PUCE) haben ein Modell für den Technologietransfer speziell in der Bauwirtschaft und Bauindustrie entwickelt, der die Rolle als schnelle Entwicklungshilfe übernimmt. Das ist ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen, energieeffizienten und erdbebensicheren Architektur in Ecuador.

Einsatz der Ergebnisse

Das entwickelte Modell mit Schwerpunkt Schulung und Training hat verschiedene Implementierungsstufen. Vorgesehen sind Weiterbildungsmaßnahmen in Ecuador für Architekten, Ingenieure, Studierende, Mitarbeiter von Verwaltungen und Bürger der Communities, um neue Technologien bekannt zu machen und deren praktische Anwendung zu vermitteln. Auch für kleine und mittelständische Unternehmen können die vorgesehenen Kurse hilfreich sein, damit sie sich mit innovativen Technologien besser am Markt behaupten können.

Förderbekanntmachung
Förderung der wissenschaftlich-
technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Entwicklungsländern des Asiatisch-Pazifischen Raums und der Region Lateinamerika und Karibik 2013

Partnerregion/-land
Ecuador

Laufzeit
01.08.2014 – 30.11.2016

Partnereinrichtungen
TU Berlin, Institut für Architektur, Tragwerksentwurf und -konstruktion

Pontifical Catholic University of Ecuador (PUCE), Fakultät für Architektur

Die große Etappe der Implementierung des Modells für den Technologietransfer ist der Bau eines Trainingszentrums, das als Zentrum für Bildung und Forschung der nachhaltigen Architektur in Quito entstehen soll. Mit einem Memorandum of Understanding, unterzeichnet von der PUCE, der TU Berlin, der Architektenkammer Pichincha und der deutsch-ecuadorianischen Industrie- und Handelskammer im April 2016 wurde dieses gemeinsame Ziel fixiert.

Wie die praktischen Kurse am Zentrum für Bildung und Forschung der nachhaltigen Architektur aussehen könnten, testeten ecuadorianische Studenten und Akademiker für eine Woche im Juli 2016 im Ausbildungszentrum der Bauindustrie Berlin-Brandenburgs.

Das Ziel ist, jedes Jahr bis zu 15 Studenten der PUCE in Deutschland für zwei bis vier Wochen in Gewerken der Bauwirtschaft zu trainieren und ihre praktischen Fertigkeiten zu schulen, bis das Zentrum für Bildung und Forschung der nachhaltigen Architektur in Quito existiert. So kann die Kompetenz der Studenten in ihren praktischen Fertigkeiten erhöht werden und wird dazu beitragen, dass mittel- und langfristig mehr Gebäude in Ecuador erdbebensicher geplant und gebaut werden.

Mehrwert der internationalen Zusammenarbeit

Das ATT-Projekt verbindet Europa mit Lateinamerika, Deutschland mit Ecuador und die TU Berlin mit der PUCE. Zum einen vervielfältigen sich durch ein nationales Netzwerk der Universitäten die zur Verfügung stehenden Kompetenzen; zum anderen können Projekterkenntnisse einem breiteren Zirkel zur Verfügung gestellt werden. Große Bedeutung hat im ATT-Projekt der Kontakt zur Wirtschaft, konkret zur Außenhandelskammer (AHK). Somit ist das ATT-Projekt auch ein Beispiel für „Wissenschaft trifft Wirtschaft“. Durch diesen direkten Kontakt werden die Ansprüche, die Wirtschaft an künftiges Personal hat, verdeutlicht.

Der große Wunsch der PUCE ist die Teilnahme an einem EU-geförderten Projekt. Das ATT-Projekt wurde deshalb auch genutzt, um die Anforderungen eines „Horizont 2020“-Projekts zu vermitteln und die nationale Kontaktstelle kennenzulernen. Die Chance, die ATT-Projektergebnisse einem breiten internationalen Publikum anlässlich der HABITAT III-Konferenz vorzustellen, ist für die Projektpartner sehr willkommen.

Besondere Ergebnisse und Erfolge der Maßnahme

Mit dem bereits genannten Memorandum of Understanding haben die Projektpartner konkrete Schritte zur Umsetzung des Modells für den Technologietransfer vereinbart. Neben Maßnahmen, das Kursprogramm der Architektenkammer durch Vorträge von Vertretern der Industrie und die Ausbildung der Studenten durch das Erlernen von praktischen Fertigkeiten zu unterstützen, ist die Realisierung des Zentrums für Bildung und Forschung der nachhaltigen Architektur in Ecuador die wichtigste Maßnahme. Es wäre das erste Zentrum dieser Art in Ecuador und Lateinamerika und trägt Pilotcharakter. Dieses Gebäude würde als Pilotgebäude natürlich als nachhaltiges, energieeffizientes und erdbebensicheres Gebäude geplant und gebaut werden. Offen ist derzeit jedoch noch die komplette Finanzierung.

DLR Projektträger | Europäische und internationale Zusammenarbeit
Inge Lamberz de Bayas
Tel.: +49 228 3821-1436

TU Berlin
Prof. Dr.-Ing. Klaus Rückert
Tel.: +49 30 314 218 51