Ägypten

Ägypten - in der arabischsprachigen Welt die „Mutter der Welt – "مصر أم الدنيا" (Masr - Um al-Dunya) – ist durch seine geographische Lage eines der wichtigsten strategischen Partner Deutschlands. Besonders das deutsch-ägyptische Wissenschaftsjahr 2007 setzte starke Impulse für neue Schwerpunkte in der Zusammenarbeit.

Abu Simbel

© Internationales Büro/Susanne Ruppert-Elias

Fördermöglichkeiten für Ägypten

Das Internationale Büro beim Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt fördert Maßnahmen und Vorhaben in der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit Ägypten durch den gemeinsamen Deutsch-Ägyptischen Forschungsfonds.

Im Rahmen aktueller Bekanntmachungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) können grundsätzlich Zuschüsse für gemeinsame Forschungsprojekte der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und Ägypten beantragt werden.

Politischer Rahmen

Basis der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit mit Ägypten sind die Regierungsabkommen der Jahre 1979 und 1981 sowie verschiedene Einzel- und Projektvereinbarungen aus den Jahren 1980-1985. Weiterhin unterzeichneten beide Ministerien zum Abschluss des gemeinsamen Wissenschaftsjahres 2007 eine Vereinbarung zur Implementierung eines gemeinsamen Forschungsfonds. Seit 2012 arbeitet Ägypten im Rahmen der Transformationspartnerschaft in zahlreichen Projekten zum Beispiel der beruflichen Bildung, Hochschulbildung und Forschung mit der Bundesregierung zusammen.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Der deutsch-ägyptische Forschungsfonds

Eine institutionalisierte Plattform zur Umsetzung konkreter Impulse aus dem gemeinsamen "Deutsch-Ägyptischen Jahr der Wissenschaft und Technologie 2007" bietet der deutsch-ägyptische Forschungsfonds oder German-Egyptian Research Fund GERF. Das seit 2008 kontinuierlich weiterentwickelte Forschungsförderungsinstrument stellt die inhaltlichen Schwerpunkte und Ergebnisse des Wissenschaftsjahres auf eine nachhaltige Basis.

Der gemeinsame Fonds ermöglicht es vor allem jungen Wissenschaftlerteams beider Länder innovative, anwendungsbezogene und industrienahe Forschungsprojekte durchzuführen. Die erarbeiteten Forschungsergebnisse sollen zeitnah in konkrete Anwendungen überführt werden. Ein weiteres Ziel des bilateralen Forschungsfonds ist die Unterstützung von wissenschaftlichen Netzwerken bei der Beantragung von Fördermitteln aus dem EU-Rahmenprogramm HORIZONT 2020 oder nationalen Förderprogrammen.

Antragsberechtigt sind deutsch-ägyptische Forscherteams, die an ägyptischen und deutschen Forschungsorganisationen, staatlichen oder nicht-staatlichen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder gewerblichen Unternehmen, insbesondere an kleinen und mittleren Unternehmen sowie in Nichtregierungsorganisationen und Institutionen der Zivilgesellschaft tätig sind.

Seit der Implementierung des gemeinsamen Förderinstrumentes im Jahr 2008 haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der ägyptische Science and Technology Development Fund STDF insgesamt vier gemeinsame Ausschreibungen (2008, 2010, 2012, 2015) in den Schwerpunktthemen des Wissenschaftsjahres (Biotechnologie, Medizin, Materialwissenschaften, Wasser, erneuerbare Energien, Geistes- und Sozialwissenschaften) und darüber hinaus sowie eine Interimsbekanntmachung (2011) speziell zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Themen veröffentlicht. Von 2008 bis heute erhielten insgesamt 51 gemeinsame Forschungsprojekte eine Förderung im Rahmen des deutsch-ägyptischen Forschungsfonds.

Die German University Cairo

Als erste "deutsche" Privatuniversität im Ausland – formell handelt es sich um eine private Einrichtung nach ägyptischem Recht mit deutschem Namen, ist die German University Cairo von eminenter politischer Bedeutung und steht für die vorzügliche Zusammenarbeit beider Länder. Die fachliche Ausrichtung umfasst neben Ingenieur-, angewandten Natur-, Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften auch Multimedia-Design, Kommunikations- und Medienwissenschaften, Management sowie Lebenswissenschaften.

Mittels Workshops und Symposien sowie durch den bilateralen Wissenschaftleraustausch konnte die German University Cairo seit ihrer Eröffnung 2003 verstärkt in die bilaterale Forschungskooperation mit Ägypten eingebunden werden. Forschungskapazitäten und Labors werden stetig und systematisch ausgebaut. Beispielsweise bietet das mit deutscher Unterstützung aufgebaute Werkstoffprüflabor gute Voraussetzungen für Kooperationsvorhaben in Wissenschaft und Forschung. Des Weiteren entstand auf dem GUC-Gelände ein 40.000 Quadratmeter großer Industriepark mit namhaften Partnern aus der deutschen Industrie wie Trumpf und Festo. Mit dem Projekt "Digital Media Campus" ist zudem ein digitaler TV- und Radiosender auf dem Campus der Universität entstanden, der Medien- und Kommunikationstechnik anbietet und zudem neue interdisziplinäre Forschungsschwerpunkte definiert.

Als bislang größtes Projekt deutscher Bildungsangebote im Ausland genießt die German University Cairo nach wie vor Vorbildcharakter. Die Gründungs- und Partneruniversitäten Stuttgart, Ulm und Mannheim erwarten sich von dieser Kooperation einen Zugang zum ägyptischen Bildungsmarkt und leisten gleichzeitig einen Beitrag für die Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorte Baden-Württemberg und Deutschland im Allgemeinen. Nicht zuletzt erhoffen sich alle deutschen Partner, hochbegabte Studierende der German University Cairo für einen Studien- und Forschungsaufenthalt in Deutschland zu gewinnen. Ziel ist ein reger und wechselseitiger Austausch. Im Januar 2012 wurde der neue Berlin-Campus der German University Cairo in Berlin feierlich eröffnet.

Weitere Schwerpunkte der deutsch-ägyptischen Zusammenarbeit

Gemeinsamer Masterstudiengang Nachhaltige Urbanisierung IUSD

Ein nennenswertes Beispiel für die gelungene Kooperation in bilateralen Studienprogrammen ist der bi-kulturelle Masterstudiengang „Integrated Urbanism and Sustainable Design“ der Universitäten Stuttgart und Ain Shams in Cairo, den das BMBF seit 2011 ressortübergreifend mit dem Ressort Entwicklungszusammenarbeit sowie dem ägyptischen Hochschulministerium finanziell unterstützt. Dieser deutsch-arabische Masterkurs richtet sich sowohl an deutsche und ägyptische als auch arabische Graduierte der Fachrichtungen Architektur, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Regionalplanung und Bauingenieurwesen.

Das deutsche Wissenschaftszentrum in Kairo

Weltweit werben Deutsche Wissenschafts- und Innovationshäuser für die Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung. Mit dem Ziel der koordinierten Präsenz deutscher Wissenschafts-, Förder- und Mittlerorganisationen und um eine wirksamere Werbung sowie Profilschärfung für den Forschungsstandort Deutschland sowohl in Ägypten als auch in der Region Nordafrika/ Nahost zu erreichen, ist 2013 das deutsche Wissenschaftszentrum in Kairo eröffnet worden. Partner unter dem Dach des Wissenschaftszentrums sind neben deutschen Forschungs- und Mittlerorganisationen wie der Fraunhofer Gesellschaft für Angewandte Forschung, der Alexander von Humboldt-Stiftung, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und dem Orient Institut Beirut auch Hochschuleinrichtungen wie die Technischen Universitäten Berlin und München, die Freie Universität Berlin und die Philipps Universität Marburg.

Das Wissenschaftszentrum bietet vielfältige Austauschmöglichkeiten im Rahmen der deutsch-ägyptischen Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technologie und Forschung. Das Wissenschaftszentrum fördert die Synergien zwischen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sowie dem staatlichen und privaten Sektor, indem es die jeweiligen Experten zu wissenschaftlichen Symposien, Workshops und Vortragsreihen sowie zu Messen und Trainingsseminaren zusammenbringt. Insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs in Ägypten profitiert von den zahlreichen Vernetzungsmöglichkeiten. Darüber hinaus informiert das Wissenschaftszentrum in Kairo über aktuelle Entwicklungen in der deutschen Forschungslandschaft und berät zu nationalen und bilateralen Fördermöglichkeiten.