Belgien

Die föderale Struktur Belgiens wirkt sich sehr stark auf die Forschungspolitik aus. Mit Deutschland verbindet Belgien enge und nachbarschaftliche Beziehungen. Ein Abkommen auf Regierungsebene zur bilateralen Kooperation im Bereich Wissenschaft und Forschung gibt es zwischen Deutschland und Belgien nicht.

Große Platz in Brüssel

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Förderung der Zusammenarbeit

Im Rahmen des Europäischen Forschungsraumes (EFR), geschieht die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Belgien weitgehend in direktem Kontakt zwischen Forscherinnen / Forschern und Forschungseinrichtungen, ohne dass es besonderer staatlich unterstützter Kontaktanbahnung bedarf. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in der Unterstützung des Auf- und Ausbaus von Netzwerken.

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Aktuelles

Zwischen beiden Ländern erfolgt sowohl auf bilateraler Ebene als auch im europäischen Rahmen ein regelmäßiger Austausch auf den Feldern von Bildung, Forschung und Innovation.

Politischer Rahmen

Im Jahr 2013 investierte Belgien 2,28 Prozent seines BIP (für Belgien ein historischer Höchststand) in FuE1. Belgien lag damit über dem EU-Durchschnitt von 1,92 Prozent und knapp unter dem OECD-Schnitt von 2,40 Prozent (2012). Der private FuE-Anteil beträgt annähernd 68 Prozent und ist im europäischen Vergleich relativ hoch (EU-Schnitt liegt bei 62 Prozent), allerdings konzentriert er sich auf einige (meist multinationale) Unternehmen.

Der Global Competitiveness Report 2014-2015 sieht Belgien auf Platz 18, bei den europäischen Ländern hinter Dänemark und vor Luxemburg. Bei den drei Leitindikatoren (Rahmenbedingungen (Rang 22), Effizienz (Position 18) und Innovation (Platz 12)) fallen besonders die unterdurchschnittlich bewerteten Rahmenbedingungen auf.

Dem Gesamtinnovationsindikator des Innovation Union Scoreboard 2015 (IUS 2015) zufolge liegt Belgien hinsichtlich seiner Innovationskraft über dem EU-Durchschnitt auf Platz neun innerhalb der EU 28. Belgien gehört zusammen mit den Nachbarn Luxemburg und Niederlande zu den so genannten „Innovation followers“ in der EU. Im Vergleich zu den Vorjahren stagniert die Innovationsleistung Belgiens.

Im nationalen Reformprogramm 2014 ist das Ziel Belgiens festgelegt bis 2020 3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Forschung und Entwicklung (FuE) zu investieren. Für die gesamtstaatliche Ebene legte bereits 2006 eine Expertengruppe (High Level Group 3% Belgium) einen Bericht zur Situation von Forschung, Technologie und Innovation vor. Der Bericht beschrieb die Herausforderungen vor dem Hintergrund des Lissabon-Ziels (3 Prozent -Anteil am BIP). Er befürwortete eine stärker integrierte Forschungs-, Technologie-, Entwicklungs- und Innovationspolitik ("Belgian Research Area").

Die föderale Struktur Belgiens wirkt sich stark auf die Ausgestaltung der Forschungspolitik und die Struktur des Forschungssystems aus. In den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Innovation verfügen die Gemeinschaften und die Regionen über ausgeprägte eigene Kompetenzen. Die Regionen (Flämische Region, die Region Brüssel und die Wallonische Region) sind in erster Linie zuständig für Förderung und Gestaltung in der angewandten (industriell, technologisch) Forschung und der Innovation. Die Gemeinschaften (Flämische Gemeinschaft, Französische Gemeinschaft und Deutsche Gemeinschaft) sind verantwortlich für Bildung und (Grundlagen-)forschung an den Hochschulen.

Formal gibt es deshalb eine Reihe von verantwortlichen Institutionen für Wissenschaft, Forschung, Technologie und Innovation. Dementsprechend gestalten sich die Entscheidungsprozesse in der Forschungs- und Innovationspolitik komplex. Auf jeder Gewaltenebene existiert ein Beratungsorgan (Rat für Wissenschaftspolitik), das für die Erstellung von Gutachten und Empfehlungen für die Regierung zuständig ist. Diese Organe setzen sich aus Persönlichkeiten aus den Bereichen Wissenschaft, Universitäten, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen.

Vor diesem Hintergrund ist eine Vereinfachung der institutionellen Zuständigkeiten sowie eine verbesserte Kohärenz und Effizienz der Forschungspolitik ein wichtiges Ziel der Regierung.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Im deutsch-niederländisch-belgischen Grenzgebiet ist eine wachsende Zahl an Technologie-Netzwerken in Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschulen und anderen Einrichtungen entstanden. So TTR-ELAt steht für „Top Technology Region - Eindhoven/ Leuven/ Aachen technology triangle“. TTR-ELAt verkörpert eine europäische Stärkeregion für Elektronik, Nanoelektronik sowie in den Lebenswissenschaften.

Eine intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit findet auch innerhalb der trinationalen Euregio Maas-Rhein EMR (mit den Niederlanden) statt. Hier stehen Mittel des Europäischen Strukturfonds zur Verfügung. Ein zentrales Thema der Euregio mit Sitz in Eupen ist der Bereich „Wirtschaft und Innovation“.

In den BMBF-Fachprogrammen lieg der thematische Schwerpunkt von Projekten mit Beteiligung belgischer Institutionen nach absoluten Zahlen in den Kommunikations- und Informationstechnologien sowie in der Umweltforschung und –technologie.

Innerhalb des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms konzentrierten sich die gemeinsamen Projekte auf die Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die Bereiche Gesundheit und Transport. Auch im EU- Rahmenprogramm für Forschung und innovation „Horizont 2020“ zeichnet sich eine recht intensive Kooperation deutscher und belgischer Partner ab.


1 Quelle: OECD: Main Science and Technology Indicators 2014