Frankreich

Frankreich ist unter den EU-Ländern der wichtigste Kooperationspartner Deutschlands. Auf zahlreichen Gebieten und verschiedenen Ebenen wird intensiv zusammengearbeitet: zwischen Ministerien, Forschungs-, Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen und in Projekten. Zwischen Deutschland und Frankreich haben sich in den letzten 60 Jahren außergewöhnlich umfangreiche Kooperationen entwickelt.

Der Eiffelturm in Paris

© TonyBaggett / iStock / Thinkstock

Fördermöglichkeiten

Die Fördermöglichkeiten in der deutsch-französischen Zusammenarbeit sind vielfältig und werden durch verschiedene Institutionen meist themenspezifisch angeboten. Informationen zu den Fördermöglichkeiten sollten im Einzelfall beim Internationalen Büro oder bei der Förderberatung des Bundes erfragt werden. Fördermöglichkeiten in Frankreich sind hier abrufbar.

Aktuelles

Am 13. Juli 2017 beschlossen die Forschungsministerinnen Johanna Wanka und Frédérique Vidal im Rahmen des 19. Deutsch-Französischen Ministerrats in Paris gemeinsame Initiativen zur Klima- und Energieforschung und zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Mehr erfahren...

Politischer Rahmen

Abkommen und Vereinbarungen

Die deutsch-französische Zusammenarbeit beruht auf dem „Kulturabkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik“, das 1955 in Kraft getreten ist. Ferner bestehen eine Reihe von Abkommen und Vereinbarungen, die seitdem sowohl zwischen den Ministerien mit Forschungszuständigkeit als auch zwischen den großen deutschen und französischen Forschungsorganisationen geschlossen wurden.

Deutsch-Französische Ministerräte

Den politischen Rahmen für die bilaterale Zusammenarbeit bilden die deutsch-französischen Ministerräte, die seit 2003 halbjährlich und seit 2013 jährlich stattfinden. Dort erfolgt eine regelmäßige Koordinierung auf Ministerebene hinsichtlich der deutsch-französischen Zusammenarbeit in den Schwerpunktthemen Bildung, Forschung und Innovation.

2010 beschlossen Deutschland und Frankreich in Paris eine gemeinsame «Agenda 2020» für die Gestaltung ihrer Beziehungen und der Politik im kommenden Jahrzehnt. Die Agenda enthält 80 Projektvorschläge zur Vertiefung der deutsch-französischen Zusammenarbeit auf wichtigen politischen Gebieten wie Wirtschafts- und Finanzpolitik, Energie- und Klimapolitik, Außen- und Sicherheitspolitik sowie Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik.

2012 wurde ein gemeinsamer Maßnahmenplan verabschiedet, durch den die Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Forscherinnen und Forschern künftig intensiviert werden soll. Schwerpunktthemen sind Gesundheit, Biotechnologie, Energie, Umweltforschung, Sozialwissenschaften sowie nichtenergetische Rohstoffe und Höchstleistungsrechner. Der Maßnahmenplan wird seitdem kontinuierlich fortgeschrieben und die Prioritäten werden angepasst.

Die 2014 in Paris verabschiedete deutsch-französische Erklärung enthält einen Beschluss zur Vertiefung der Zusammenarbeit im Bereich Bildung, Hochschulbildung und Forschung. Die beschlossenen Maßnahmen zielen auf die Bereiche Energie, Bildung, Hochschulbildung und Forschung (insbesondere Gesundheit und Geisteswissenschaften mit besonderem Augenmerk auf inter- und transdisziplinärer Forschung, sowie Transfer der Forschungsergebnisse in die Industrie).

Der bisher letzte deutsch-französische Ministerrat fand im März 2015 in Berlin statt, bei dem die weitere Vertiefung der Zusammenarbeit in Bildung, Forschung und Innovation bekräftigt wurden.

Einen guten Überblick über die intensiven deutsch-französischen Beziehungen in der Forschungs- und Bildungszusammenarbeit bietet die Broschüre „50 Jahre Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Forschung, Technologie und Innovation“, die anlässlich des 50jährigen Jubiläums zur Unterzeichnung des Elysée-Vertrags 2013 publiziert wurde (siehe „Höhepunkte der bilateralen Kooperation“).

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Die Schwerpunkte der bilateralen Kooperation ergeben sich vor allem aus der deutsch-französischen Agenda2020, dem gemeinsamen Maßnahmenplan von 2012 sowie der deutsch-französischen Erklärung von 2014. Inhaltlich werden diese Prioritäten durch die Foren zur deutsch-französischen Forschungskooperation unterlegt, die seit 2002 regelmäßig stattfinden (siehe „Höhepunkte der bilateralen Kooperation“).

Zusammenarbeit in der Forschung

Kernpunkte der Forschungskooperation zwischen Deutschland und Frankreich sind:

Institutionelle Kooperation

Bei der Kooperation auf institutioneller Ebene ist insbesondere die Kooperation Fraunhofer-Carnot zwischen den Instituts Carnots und der Fraunhofer Gesellschaft zu erwähnen.

Centre Marc Bloch

Besondere Bedeutung hat auch das Centre Marc Bloch, das 1992 als deutsch-französisches Forschungsinstitut für Sozialwissenschaften und als Einrichtung für die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern gegründet wurde. Am 31.3.2015 erhielt es eine eigene Rechtspersönlichkeit als eingetragener Verein und wird sich so zu einer binationalen Forschungseinrichtung mit gemeinsamer Organisationsstruktur entwickeln.

Deutsch-Französische Hochschule

Eine weitere wichtige binationale Institution ist die Deutsch-Französische Hochschule, die 1997 anlässlich des deutsch-französischen Gipfels von Weimar gegründet wurde. Es handelt sich um ein aus 180 Hochschulen in Deutschland und Frankreich bestehendes Netzwerk.

Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung

Im Rahmen der Berufsbildungszusammenarbeit ist es erklärtes Ziel, die Lernmobilität zwischen Deutschland und Frankreich unter Nutzung des europäischen Bildungs- und Jugendprogramms Erasmus+ und des Deutsch-Französischen Sekretariats für den Austausch in der beruflichen Bildung (DFS) weiter zu stärken.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

50 Jahre Deutsch-Französische Zusammenarbeit

Am 21./22. Januar 2013 fanden in Berlin die offiziellen Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags statt. Neben einem Deutsch-Französischen Jubiläums-Ministerrat des deutschen und französischen Kabinetts fanden am 22. Januar 2013 in Berlin gemeinsame Sitzungen der beiden Parlamente unter Teilnahme der Mehrzahl der französischen Abgeordneten statt.

Foren zur deutsch-französischen Forschungskooperation

Von herausragender Bedeutung in der bilateralen Kooperation sind auch die seit 2002 stattfindenden Foren zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation. Aufgabe der Foren ist es, auf hochrangiger Ebene eine Abstimmung über forschungs- und innovationspolitische Strategien und Prioritäten Deutschlands und Frankreichs zu erreichen. Nach den Foren in Paris (2002, 2008), Potsdam (2005) und Berlin (2011) fand im Dezember 2014 das fünfte Forschungsforum in Paris statt. Dabei legten Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und ihre französischen Amtskollegin Najat Vallaud-Belkacem in Paris in einem gemeinsam unterzeichneten Kommuniqué die Themenschwerpunkte für die nächsten Jahre fest: Energieforschung, die IT-Sicherheitsforschung sowie die Geistes- und Sozialwissenschaften.

Das Internationale Büro im DLR Projektträger unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung bei der deutsch-französischen Kooperation und insbesondere bei Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen.

Hintergrundinformationen zur Forschungslandschaft

Auf der Grundlage eines umfangreichen Konsultationsprozess zur Hochschul- und Forschungspolitik wurde am 22. Juli 2013 das französische Hochschul- und Forschungsgesetz verabschiedet, dessen Vorgaben bereits zu großen Teilen umgesetzt wurden. In diesem Kontext hat die französische Regierung im Mai 2013 eine strategische Agenda für Forschung, Transfer und Innovation verabschiedet (Agenda France Europe 2020). Auf Basis dieser Agenda wiederum wurde eine Nationale Forschungsstrategie mit prioritären Forschungsbereichen und Zielen erarbeitet, die im März 2015 beschlossen wurde.

Förderung in Frankreich

Die institutionelle Förderung von Forschung und Entwicklung obliegt in Frankreich dem interministeriellen Ausschuss MIRES unter Federführung des Ministeriums für Bildung, Hochschulen und Forschung (MENESR).

Die wettbewerbliche Projektförderung von Grundlagenforschung sowie Forschung und Entwicklung wird durch die Nationale Agentur für Forschungsförderung (ANR), die Bank für öffentliche Investitionen (BPIfrance) und die Agentur für Umwelt und Energie (ADEME) durchgeführt. Darüber hinaus unterstützen Mittlereinrichtungen wie die Cluster Pôles de Compétitivité und die regionalen Forschungs- und Technologiebeauftragten die regionale Standortpolitik. Frankreich unterhält zudem eines der weltweit größten Programme zur steuerlichen Förderung industrieller Forschung und Entwicklung, den Crédit d‘impôt recherche.

Kooperation auf europäischer Ebene

Frankreich und Deutschland spielen in den Forschungsförderprogrammen der Europäischen Union eine herausragende Rolle. Im 7. Forschungsrahmenprogramm gab es in 4.000 Projekten deutsch-französische Kooperationen. In Horizont2020 laufen im Bereich Neue Materialien und Nanotechnologie 90 Prozent der Projekte mit deutsch-französischer Beteiligung, in den Bereichen Gesundheit und Verkehr sind es 80 Prozent aller Projekte.

Auch auf strategischer Ebene arbeiten beide Länder als Motoren für Europa eng zusammen, beispielsweise bei der Gestaltung des Europäischen Forschungsraumes und in vielen Gremien der EU-Mitgliedsstaaten. Deutschland und Frankreich sind an einer Vielzahl von großen europäischen Initiativen und Netzwerken wie Joint Programming Initiatives, Era-Netzen, European Technology Platforms (ETPs), European Infrastructure Consortia (ERICs) und Knowledge and Innovation Communities (KICs) beteiligt.