Israel

Die Wissenschaftskooperation war Wegbereiter der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Heute besteht eine einzigartige Kooperationsstruktur, zu der neben der Zusammenarbeit der Ministerien Stiftungen und langjährige Programme beitragen. Deutschland ist der wichtigste Partner Israels in den EU-Forschungsprogrammen, denen das Land seit 1996 angehört.

Collage aus deutscher und israelischer Flagge

© Павел Кусмарцев / iStock / Thinkstock

Förderung der Zusammenarbeit

Über aktuelle Förderangebote zur deutsch-israelischen Kooperation in Forschung, Innovation und Bildung informiert die Rubrik Bekanntmachungen auf cogeril.de. Dort finden sich auch Hinweise zur weiterführenden Beratung.

Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit deutscher und israelischer Ministerien liegen Kooperationsschwerpunkte in den Bereichen Lebenswissenschaften, Umweltwissenschaften und Schlüsseltechnologien. Auch in der Berufsbildung arbeiten beide Länder auf Ressortebene zusammen. Großen Anteil an der Zusammenarbeit haben zudem die vom BMBF finanzierten Stiftungen und großen Programme Minerva, German Israeli Foundation, Deutsch-Israelische Projektkooperation (DFG) und der Stiftungsfond Martin-Buber-Gesellschaft. Darüber hinaus sind die durch das BMBF und andere Bundesministerien geförderten Mittlerorganisationen (Alexander von Humboldt-Stiftung, Deutscher Akademischer Austauschdienst) sowie private Förderer wie die Volkswagen-Stiftung, die Thyssen-Stiftung und die Krupp-Stiftung an der Förderung der Zusammenarbeit beteiligt.

Aktuelles

Deutschland und Israel arbeiten noch enger zusammen

Am 07. November 2016 haben Deutschland und Israel eine Förderbekanntmachung zur Kooperation in der Angewandten Nanotechnologie veröffentlicht (Kurzfassung in englischer Sprache). Stichtag ist der 28. Februar 2017. Das Programm soll die Vernetzung von Forschung, Technologie und Wirtschaft beider Länder voranbringen, um neue Geschäfts- und Verwertungsmodelle zu schaffen. Es ist vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups zugeschnitten. Für diese Fördermaßnahme stellen sowohl BMBF als auch die israelische Partnerorganisation National Technological Innovation Authority (NATI) jeweils insgesamt bis zu fünf Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden Projekte aus verschiedenen Bereichen der Angewandten Nanotechnologie, z. B. Photonik, neue Werkstoffe, Biomedizin und nachhaltige Energieversorgung. Der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel und der Generaldirektor im israelischen Wirtschaftsministerium, Amit Lang, hatten diese Zusammenarbeit im Februar 2016 anlässlich der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen in Berlin vereinbart.

Ebenfalls einen neuen Impuls erfährt die Zusammenarbeit auch in der Batterieforschung. Hier wurde im September 2016 eine gemeinsame Förderbekanntmachung publiziert, die bis zum 15. Dezember 2016 geöffnet war.

50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Das Jubiläum „50 Jahre Diplomatische Beziehungen Deutschland-Israel“ wurde auch von den Partnern in der Wissenschaftswelt mit zahlreichen Veranstaltungen und Projekten begangen. Im Februar 2015 eröffnete Bundesministerin Johanna Wanka im Rahmen einer hochkarätigen Konferenz der Minerva-Stiftung in Rehovot zwei neue Minerva-Zentren und übergab den ARCHES-Nachwuchspreis an ein deutsch-israelisches Forschungsteam. Auch die DFG, die German Israeli Foundation, der Stiftungsfonds Martin-Buber-Gesellschaft der Forschungsstipendiaten in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie zahlreiche Hochschulen und Forschungsinstitute trugen zum Jubiläumsjahr mit neuen Kooperationsinitiativen bei.

Im Februar 2016 fanden die jährlichen deutsch-israelischen Regierungskonsultationen statt, zu deren Schwerpunkten die Kooperation in Forschung und Innovation zählte. Staatssekretär Thomas Rachel und der Generaldirektor im israelischen Wirtschaftsministerium Amit Lang vereinbarten dabei ein Programm zur Förderung von angewandter Forschung und Technologietransfer in der Nanotechnologie.

Relaunch Cogeril

Das Internationale Büro nahm das Jubiläumsjahr 2015 zum Anlass für einen Relaunch seiner Website cogeril.de, die im Deutsch-Israelischen Wissenschaftsjahr 2008 eingerichtet worden war. Die Seite dient als Anlaufstelle für Forscherinnen und Forscher beider Länder, die an dieser bilateralen Kooperation interessiert sind. Zudem bieten Reportagen und Porträts Einblicke in die alltägliche wissenschaftliche Zusammenarbeit und den kulturellen und politischen Brückenbau zwischen Deutschen und Israelis.

Politischer Rahmen

Neben der interministeriellen Forschungskooperation zwischen BMBF, BMWi, BMU und den israelischen Ministerien für Wissenschaft, Technologie und Raumfahrt (MOST) sowie für Wirtschaft (vormals MOITAL) bilden mehrere Stiftungs- und große Förderprogramme (Minerva, GIF, DIP, Martin-Buber) die zweite Säule der Zusammenarbeit.

Die Minerva-Stiftung Gesellschaft für die Forschung mbH besteht seit 1963 und markierte den Beginn der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Israel. 1973 wurde die interministerielle Kooperation mit dem MOST aufgenommen, 2000 folgte eine Vereinbarung mit dem Ministry of Economy. Insgesamt wurden bislang Forschungseinrichtungen beider Länder in fast 700 gemeinsamen Projekten im Rahmen von Fachprogrammen des BMBF und der Partnerministerien gefördert. Ein weiteres Kernstück der Zusammenarbeit ist die 1986 gegründete Deutsch-Israelische Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung (GIF). Im Rahmen der Deutsch-Israelischen Projektkooperation (DIP) unterstützt das BMBF seit 1997 disziplinübergreifende große deutsch-israelische Projekte. Seit 2008 wird DIP durch die DFG betreut. Der Stiftungsfonds Martin-Buber-Gesellschaft der Forschungsstipendiaten in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften wurde Ende 2009 gegründet.

Auch um den Friedensprozess im Nahen Osten zu fördern, unterstützte das BMBF mehrfach multilaterale Kooperationsprojekte mit Israel und seinen arabischen Nachbarn, vorwiegend in den Bereichen Meeresforschung sowie Umwelt- und Wassertechnologien.

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Internetplattform zur Deutsch-Israelischen Zusammenarbeit

Die Internetplattform Cogeril – „Deutsch-Israelische Zusammenarbeit“ bietet Informationen zur Geschichte und Struktur der deutsch-israelischen Wissenschaftskooperation. Einzigartig ist diese Zusammenarbeit, da durch die intensive wissenschaftliche Kooperation auch die diplomatischen Beziehungen vertieft wurden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus beiden Ländern können sich hier über die wichtigsten Themenfeldern und zu aktuellen Förderungsmöglichkeiten informieren. Außerdem werden die Forschungslandschaften beider Länder vorgestellt.

Themen und Struktur der Kooperation

Bei der interministeriellen Kooperation liegen heute die Schwerpunkte in naturwissenschaftlichen-technischen Bereichen wie in den Meeres- und Geowissenschaften, der Biotechnologie, der Umweltforschung, der Batterieforschung, der Krebsforschung und den Wassertechnologien. Weitere langjährige Kooperationsfelder betreffen die optischen Technologien, die Informations- und Kommunikationstechnologien, die zivile Sicherheitsforschung und die Neurowissenschaften. Die Förderung deutsch-israelischer Verbundprojekte von Wissenschaft und Wirtschaft setzt seit einigen Jahren einen Akzent auf anwendungsorientierte industrienahe Forschung. 2011 wurde ein Regierungsabkommen über bilaterale Zusammenarbeit in industriegeführter Forschung und Entwicklung und auf dem Gebiet der beruflichen Aus- und Weiterbildung unterzeichnet.

Minerva finanziert Forschungzentren an israelischen Universitäten und Forschungseinrichtungen, bietet ein umfangreiches Stipendienprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler und fördert Projekte am Weizmann Institute of Science (WIS). Seit dem Deutsch-Israelischen Wissenschaftsjahr 2008 vergibt die Minerva-Stiftung zudem den ARCHES Preis, mit dem jährlich zwei deutsch-israelische Nachwuchsteams für gemeinsame Forschungsprojekte geehrt werden.

GIF fördert Spitzenforschung in sämtlichen Wissenschaftsdisziplinen mit jährlich wechselnden Prioritäten. Darüber hinaus wurde 2000 ein Sonderprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler (Young Scientists Program) ins Leben gerufen.

Im Rahmen des Exzellenzprogramms DIP können israelische Universitäten und das Weizmann-Institut Vorschläge für Projekte einreichen, an denen deutsche Forschungspartner beteiligt sind. Das Programm ist themenoffen mit Schwerpunkten in den Natur- und Lebenswissenschaften.

Der Stiftungsfonds Martin-Buber-Gesellschaft der Forschungsstipendiaten in den Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften dient der Stärkung der interdisziplinären Kooperation in diesen Feldern. Jährlich werden zehn neue Stipendien für gemeinsame Forschungen an der Hebrew University Jerusalem vergeben. Mehrere Minerva-Zentren sind geistes- und sozialwissenschaftlichen Themen gewidmet. Über die bilaterale Kooperation ist Israel ein wichtiger Partner in den vom BMBF geförderten Käte-Hamburger-Kollegs und den Geisteswissenschaftlichen Zentren.

Seit 1969 arbeiten Deutschland und Israel im Bereich der Berufsbildung zusammen, 2011 wurde die Kooperation durch eine Vereinbarung zwischen dem BMBF und dem israelischen Wirtschaftsministerium vertieft. 2013 beauftragte das BMBF die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA-BIBB) mit der Durchführung des Israel-Programms. Kerninhalte sind der Auszubildenden-Austausch, der Expertenaustausch durch gegenseitige Study Tours, die Bildung gemeinsamer Expertenteams etwa zu Solarenergie und Energieeffizienz oder zur Berufsbildungsforschung. Dem Austausch zu Fachthemen diente zum Beispiel der Kongress „Durchlässigkeit zwischen Berufs- und Hochschulbildung“ 2014.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Krebsforschung

Diese langjährige Domäne der bilateralen Kooperation wurde 2015 durch die Aufstockung des Fördervolumens von 1,15 auf 1,5 Mio. € weiter gestärkt. Im Februar 2015 fand bei Garmisch-Partenkirchen die 7. „German Israeli Cancer Research School“ statt, und im Juni 2015 wurde ein gemeinsamer Call des Deutschen Krebsforschungszentrum und des MOST veröffentlicht. Mehr Informationen.

Wassertechnologie

Das BMBF und MOST arbeiten seit 1974 auf diesem Gebiet zusammen. Im März 2015 erschien ein Joint Call für gemeinsame deutsch-israelische Forschungsprojekte.

Batterieforschung

Nach der Vereinbarung über die Zusammenarbeit in der Batterieforschung im Rahmen der Regierungskonsultationen im Dezember 2012 nahmen im Oktober 2014 fünfzig Wissenschaftler an der ersten „German Israeli Battery School“ in Tel Aviv teil. Die zweite „GIBS“ ist für 2016 in Deutschland geplant.

Querschnittsschwerpunkt Nachwuchsforschung

Viele Kooperationsprogramme schaffen durch die Förderung des Nachwuchses die Basis für eine langfristige Kooperation in der Zukunft. Die Ausschreibung in der Wassertechnologie wird von einem Young Scientists Exchange Programme für Forschungsaufenthalte im jeweils anderen Land begleitet. Die GIF vergibt in ihrem Nachwuchsprogramm jährlich ca. 40 Jahresstipendien. Der von der Minerva-Stiftung administrierte ARCHES-Preis wendet sich speziell an junge Forschungsgruppenleiter in beiden Ländern. Den Gewinnern im israelischen Young Scientists Wettbewerb – vergleichbar mit „Jugend forscht“ – bietet das BMBF einen dreiwöchigen Aufenthalt an einer deutschen Hochschule. Gastgeber ist von 2014-16 die Universität Potsdam.

Europäische Kooperation

Israel ist seit 1996 assoziierter Partner des Europäischen Forschungsrahmenprogramms. Die starke Beteiligung israelischer Forscher an Kooperationsprojekten belegt die Bedeutung der europäischen Kooperation für das israelische Forschungssystem. Im 7. FRP waren israelische Partner an 1621 Kooperationen beteiligt (588 Projekte im 6. FRP). Thematische Schwerpunkte lagen bei IKT, Lebenswissenschaften und Nanotechnologie. Des Weiteren engagierte sich Israel im 7. FP stark beim Aufbau von Forschungsinfrastrukturen. Auch an europäischen Netzwerkprojekten (ERA-NETs, INCO-NETs) waren israelische Partner beteiligt. An 679 der FP7-Projekte mit israelischer Beteiligung hatte auch mindestens ein deutscher Partner teil. Deutschland ist der häufigste Partner Israels in diesen Kooperationsprojekten.

Am 8. Juni 2014 unterzeichnete Israel das Assoziierungsabkommen zu Horizont 2020.

Israel ist Vollmitglied in EUREKA, dem europäischen Netzwerk für industrielle, marktorientierte Forschung. EUREKA bietet neben den bilateralen Abkommen zusätzliche Möglichkeiten für die technologische Kooperation zwischen israelischen und deutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Israel ist an etwa einem Viertel aller aktuellen EUREKA-Projekte beteiligt. Israel ist ebenfalls an Eurostars, einem Programm für forschungstreibende KMU, das 2008 gemeinsam von EUREKA und der Europäischen Kommission gestartet wurde, beteiligt. Des Weiteren ist das Land kooperierender Partner der European Cooperation in the Field of Scientific and Technical Research (COST).

Rolle des Internationalen Büros

  • Das Internationale Büro unterstützt das BMBF bei der Administration und Weiterentwicklung der bestehenden Förderprogramme. Es fungiert als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Förderorganisationen und dem BMBF.
  • Das Internationale Büro verfügt über detaillierte Kenntnisse über die Forschungslandschaft in Israel und über alle bi- und multilateralen Programme und steht somit als Ansprechpartner für alle Fragen zur Forschung in und mit Israel zur Verfügung.
  • Das Internationale Büro berät Interessierte zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten und vermittelt Ansprechpartner zu den jeweiligen Programmen.