Kanada

Kanada ist ein wichtiger Partner Deutschlands. Bereits seit 1971 besteht ein Abkommen zur Kooperation in Wissenschaft und Technologie. Die deutsche Forschungs- und Innovationspolitik genießt große Aufmerksamkeit seitens der kanadischen Regierung und Öffentlichkeit. Kanadas Wissenschaftsförderung konzentriert sich derzeit v. a. darauf kanadische Unternehmen auf den globalen Märkten zu unterstützen.

Blick vom See auf den Parliament Hill in Ottawa

© Internationales Büro/Johanna Füllmann

Fördermöglichkeiten Kanada

In Einzelfällen können zu Themen, die für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von strategischem Interesse sind, Zuschüsse zu Sondierungs- und Vernetzungsmaßnahmen finanziell unterstützt werden.

Die Bekannmachung "Richtlinie zur Förderung von Antragstellungen im Rahmen des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020 mit Partnern aus Nord- und Südamerika" ist noch bis zum 20. Dezember 2017 geöffnet.

Maßnahmen zur Sondierung und Vernetzung in Themenbereichen von besonderem BMBF-Interesse

In Abstimmung mit dem Internationalen Büro (IB) können in Einzelfällen zu Themen, die für das BMBF von strategischem Interesse sind, bilaterale Workshops und andere Veranstaltungen finanziell unterstützt werden. Diese sollen darauf ausgerichtet sein, Partner in Forschungsbereichen zusammen zu bringen, die einen Bezug zu den Fachprogrammen des BMBF und dem europäischen Forschungsrahmenprogramm haben (siehe Schwerpunkte der Kooperation). In der Regel wird die Unterstützung in Form einer Bezuschussung von Reisekosten deutscher Projektteilnehmer nach Kanada gewährt. In Ausnahmefällen können Sachmittel (in Zusammenhang mit der Vorbereitung und Durchführung eines Workshops) gefördert werden. Außerdem gewinnen Initiativen zur Werbung für den Studien- und Forschungsstandort Deutschland an Bedeutung.

Die Konzeption und Vorbereitung solcher Workshops findet in Abstimmung mit dem BMBF statt. Bitte nehmen Sie deshalb vor der Beantragung Kontakt mit der fachlichen Ansprechpartnerin im IB, Dr. Barbara Hellebrandt, auf.

Aktuelles

Die nächste Sitzung zur wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit (WTZ) findet am 03.-04. Dezember 2015 statt, voraussichtlich in Ottawa.

Politischer Rahmen

Deutschland ist eines der wenigen Länder, mit denen Kanada bereits früh ein Regierungsabkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit abgeschlossen hat. Das Abkommen trat am 30. Juni 1971 in Kraft und hat zu einer regen bilateralen wissenschaftlichen und technologischen Kooperation geführt. Im Jahr 2011 wurde das 40-jährige Bestehen des Abkommens zum Anlass genommen, die Kooperation im Rahmen eines gemeinsamen Jubiläumsjahres weiter zu intensivieren. Etwa alle 2 Jahre finden bilaterale Sitzungen zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit (WTZ) zwischen den Bundesregierungen Deutschlands und Kanadas statt. Bei diesen Sitzungen werden die Prioritäten und Forschungsfelder für die Zusammenarbeit festgelegt.

Seit 1975 besteht darüber hinaus ein Kulturabkommen mit Kanada. Im Jahr 2002 hat das BMBF für die Bundesregierung mit Kanada eine Gemeinsame Erklärung über ein Austauschprogramm für junge Arbeitnehmer unterzeichnet. Zudem wurde 1996 ein Abkommen zwischen Kanada und der EU zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit abgeschlossen.

Neben diesen vertraglichen Rahmenbedingungen ist hervorzuheben, dass Kanada in der letzten Dekade erhebliche F&E-Neuinvestitionen in Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie getätigt hat. Daraus ergeben sich wichtige Potenziale für die Zusammenarbeit.

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Die Schwerpunkte der Kooperation wurden im Laufe der Zusammenarbeit an die nationalen Prioritäten beider Länder angepasst und konzentrieren sich derzeit im Wesentlichen auf folgende Bereiche:

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Mit einem 2011 unterzeichneten Abkommen wurden das kanadische Förderprogramm CREATE (Collaborative Research and Training Experience) und das Programm der Internationalen Graduiertenkollegs der DFG miteinander verknüpft. Seitdem hat sich die Zusammenarbeit in der gemeinsamen Nachwuchsförderung ausgezeichnet entwickelt. Derzeit werden von der DFG 42 Internationale Graduiertenkollegs gefördert, von denen sieben mit einem kanadischen Partner durchgeführt werden. Kanada ist hiermit gegenwärtig das weltweit erfolgreichste Partnerland in diesem wichtigen Programm.

Hintergrundinformationen zur Forschungslandschaft in Kanada

Die Zuständigkeiten für Forschung, Wissenschaft und Bildung teilen sich die bundesstaatliche Regierung und die zehn Provinzen bzw. drei Territorien. Das gesamte Bildungswesen, einschließlich der Universitäten, unterliegt den Provinzregierungen. Zudem haben einzelne Provinzen auch eigenständige Forschungsministerien, die insbesondere die lokalen Wissens- und Wirtschaftskräfte stärken sollen. Von den Provinzen sind vor allem Quebec, Ontario, Alberta und British Columbia in wissenschaftlich-technologischer Hinsicht von Bedeutung.

Es gibt in Kanada kein bundesstaatliches Forschungsministerium. Vielmehr tragen die verschiedenen Fachministerien und deren nachgeordnete Einrichtungen, die so genannten "Science Based Departments and Agencies" (SBDAs), Verantwortung für das Forschungsressort. Wichtig sind hier vor allem folgende Ministerien, die alle auch über eigene Forschungsinstitute verfügen: Environment Canada, Natural Resources Canada, Agriculture and Agri-Food Canada, Fisheries and Oceans Canada und Health Canada. Die übergreifenden Aspekte der Forschungspolitik unterliegen dem Industrieministerium, die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und Technologie ist dem "Department of Foreign Affairs, Trade and Development" DFATD zugeordnet. Außerdem spielt das Ministerium „Industry Canada“ mit seiner Verantwortung für die Wissenschaftsstrategie und die Wissenschaftsorganisationen eine wichtige Rolle. Bei „Industry Canada“ ist auch der Minister of State Science and Technology angesiedelt.

Die kanadische Regierung wird durch den „Science, Technology and Innovation Council“ (STIC) in den wissenschafts- und innovationspolitischen Belangen beraten. Der STIC besteht aus einem Vorsitzenden und 17 Mitgliedern und ist dem Ministerium „Industry Canada“ zugeordnet.

Der Council of Canadian Academies wurde im Jahr 2005 als ein Gremium gegründet, das unabhängige Studien zu wichtigen wissenschaftsrelevanten Themen erstellt und somit die Politik in diesen Belangen beraten kann. Mitglieder im Council of Canadian Academies sind The Royal Society of Canada (RSC), The Canadian Academy of Engineering und The Canadian Academy of Health Sciences.

Die Universitäten liegen in Kanada im Verantwortungsbereich der kanadischen Provinzen und Territorien, die auch über zuständige Ministerien für die Bereiche Bildung, Forschung und Innovation auf dieser Ebene verfügen. Die einzelnen für Bildung zuständigen Ministerien der Provinzen und Territorien haben sich im Council of Ministers of Education (CME) zusammengeschlossen, der kanadische Bildungsbelange nach außen vertritt.

Die Universitäten und Colleges haben bereits 1911 die Association of Universities and Colleges of Canada (AUCC) als ihre Vertretung gegründet. 2015 wurde AUCC in Universities Canada (UC) umbenannt. Diese umfasst mittlerweile 97 öffentliche und gemeinnützige private Universitäten und Colleges, die Abschlüsse auf dem Universitätsniveau anbieten. Die Aufgabe der UC ist es, die Interessen der universitären Ausbildung und Forschung zu vertreten.

Auch außerhalb der Universitäten haben sich auf der Ebene einiger Provinzen eigene Forschungsstrukturen etabliert, die Provinzen verfügen über einzelne Forschungsinstitute.

Von bundesstaatlicher Seite werden Transferzahlungen an die Universitäten geleistet, die z.B. durch spezielle strategische Forschungs- und Förderprogramme den Universitäten zu gute kommen. Durch das Programm Canada Research Chairs können neue Professoren und den Universitäten etabliert werden. Über die Canada Foundation for Innovation (CFI) kann ein erheblicher Anteil von neuer Infrastruktur an Universitäten gefördert werden.

Kooperationen im Rahmen der EU

Der Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Kanada und der EU wird etwa alle 18 Monate durch das Joint Science and Technology Cooperation Committee (JSTCC) zwischen der Regierung Kanadas und der Europäischen Kommission diskutiert. Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen hier in den Forschungsbereichen der Meeres- und Polarforschung, Luft- und Raumfahrt, Landwirtschaft und Ernährung, Gesundheit sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.

Kanada hat im Jahr 2011 den Antrag gestellt, als assoziiertes Mitglied in EUREKA aufgenommen zu werden. Der Assoziierungsvertrag wurde auf der Ministerkonferenz in Budapest am 22. Juni 2012 unterzeichnet. Im Juni 2015 wurde Kanada erneut assoziiert.

Das Projekt “European Research Area - Canada for Science, Technology and Innovation Partnership” (ERA-Can+) ist ein bilaterales Partnerschaftsprojekt zwischen der EU und Kanada. Das Ziel des von der EU-Kommission unterstützten Projektes ist die Förderung und Entwicklung der Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technologie und Innovation. ERA-Can+ konzentriert sich auf einen verstärkten politischen Dialog, den Austausch über zentrale Forschungsthemen sowie Informationsangebote zu Fördermöglichkeiten in der EU und Kanada. Das Projekt vereint sieben führende Einrichtungen aus den Bereichen Forschung, Innovation und Politik aus Kanada und Europa, u.a. das Internationale Büro.

Die EU, Kanada und USA unterzeichneten am 24. Mai 2013 das Galway Statement zur Kooperation im atlantischen Ozean. Das Abkommen beinhaltet u.a. die Etablierung von zwei Arbeitsgruppen (Meeres- und Arktisgruppe), die eine gemeinsame Forschungsagenda entwickeln und die Aktivitäten der drei Kooperationspartner stärker bündeln sollen.

Die Rolle des Internationalen Büros

Die bilaterale Kooperation der Regierungen sowie der Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen wird in Deutschland vom Internationalen Büro (IB) unterstützt. Das Internationale Büro wirkt bei der Vorbereitung von Förderbekanntmachungen mit und begleitet laufende Forschungsprojekte wissenschaftlich sowie administrativ. Des Weiteren unterstützt das IB seine Auftraggeber bei der Durchführung von wissenschaftlichen Workshops, Informationsveranstaltungen und Vorträgen im internationalen Kontext.

Die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung mit Kanada erhielt durch das Jubiläumsjahr anlässlich des 40-jährigen Bestehens des deutsch-kanadischen WTZ-Abkommens 2011/12 neue sichtbare Impulse. Das Internationale Büro unterstützt das BMBF bei der Festigung und Weiterentwicklung der neuen Initiativen. Diese standen auch im Rahmen der letzten deutsch-kanadischen Kommissionssitzung zur Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie, die im November 2013 in Berlin stattfand, im Fokus.

Das Internationale Büro ist Partner in dem EU-Projekt ERA-Can+ zur Förderung der Kooperation der EU mit Kanada in Wissenschaft, Technologie und Innovation.