Nanokapseln können Medikamente hautverträglicher machen

Medikamente zur Behandlung von Entzündungen von Haut und Haaren rufen zum Teil erhebliche lokale Nebenwirkungen hervor. Ziel des Forschungsprojekts war die Entwicklung eines Medikaments, das sich mit Hilfe von Nanocarriern gezielt in Haarfollikeln anreichert und außerhalb des Follikels nur geringere Arzneistoffmengen an die Haut abgibt.

© Fotolia/adrian_am13

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Ziel des Fördervorhabens

Glukokortikoide sind wichtige Arzneimittel zur Behandlung von entzündlichen Haut- und Haarerkrankungen. Sie werden direkt an der betroffenen Hautstelle angewendet. Hierbei treten erhebliche lokale Nebenwirkungen auf. Es kommt vor allem zur Hautatrophie, einer Verdünnung des Hautgewebes. Besonders bei entzündlichen Erkrankungen des Haarfollikels – in dem die Haarwurzel steckt – ist es schwierig, den Arzneistoff in hohen Konzentrationen direkt an den Wirkort zu bringen.

Daher war es Ziel des Projekts, ein Medikament zu entwickeln, das sich selektiv im Haarfollikel anreichert und außerhalb des Follikels nur geringere Arzneistoffmengen an die Haut abgibt. Nanocarrier, extrem kleine Partikelchen im Größenbereich von 50 bis mehreren 100 Nanometern, dienen hierbei als „Taxi“. Sie transportieren den Arzneistoff selektiv an den Wirkort. Als Arzneistoff wurde Clobetasolpropionat verwendet. Es wurde untersucht, wie sich der Wirkstoff im Haarfollikel anreichert und wie er an das Hautgewebe abgegeben wird.

Einsatz der Ergebnisse

Mit nanotechnologischen Verfahren wurden drei verschiedene Partikeltypen hergestellt und vergleichend getestet: feste Nanokügelchen, Nanokapseln und Nanokapseln mit einem fettlöslichen Kern. Die hergestellten Partikel haben eine Größe von etwa 200 Nanometern. Mittels Gewebeversuchen im Reagenzglas (in-vitro) wurde herausgefunden, dass die höchste Anreicherung im Haarfollikel mit Nanokapseln erreicht werden kann. Für alle drei Nanocarrier wurde eine reduzierte Arzneistoffaufnahme in das Hautgewebe im Vergleich zu einer normalen Wirkstofflösung nachgewiesen.

Förderbekanntmachung
Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung mit Brasilien

Partnerregion/-land
Brasilien

Laufzeit
01.05.2012 – 30.06.2016

Partnereinrichtungen
Universität des Saarlandes, Biopharmazie & Pharmazeutische Technologie

Nationale Universität von Rio Grande do Sul

Zusammenfassend ergibt sich, dass es mit Nanocarriern möglich ist, den Arzneistoff gezielt am Haarfollikel zu konzentrieren, wobei gleichzeitig die Aufnahme durch die Haut reduziert werden kann. Dies ist jedoch von der Art der Nanopartikel abhängig. Damit erscheint es möglich, die unerwünschten Nebenwirkungen von Glukokortikoiden bei der Anwendung für Erkrankungen der Haarfollikel zu minimieren. Diese Ergebnisse müssen jedoch noch durch klinische Versuche am Menschen abgesichert werden.

Mehrwert der internationalen Zusammenarbeit

Durch die Erfahrung der brasilianischen Partner in der Herstellung von Nanocarriern konnten relativ schnell geeignete Partikel für den Wirkstoff Clobetasolpropionat entwickelt werden. Die In-vitro-Tests wurden in Deutschland durchgeführt, da dort die entsprechenden Verfahren etabliert sind und routinemäßig angewendet werden.

Besondere Ergebnisse und Erfolge der Maßnahme

Mittels Nanokapseln können Glukokortikoide gezielt im Haarfollikel angereichert und gleichzeitig die Aufnahme über die Haut reduziert werden. Damit erscheint es möglich, die lokalen Nebenwirkungen des Arzneimittels auf der Haut zu reduzieren und eine für den Patienten verträglichere Anwendung zu erreichen.

Einlagerung verschiedener Nanocarrier in das Haarfollikel und deren Einfluss auf die Arzneistoffaufnahme in die Haut. © U. Schäfer

Einlagerung verschiedener Nanocarrier in das Haarfollikel und deren Einfluss auf die Arzneistoffaufnahme in die Haut.
© U. Schäfer

DLR Projektträger | Europäische und internationale Zusammenarbeit
Matthias Frattini
Tel.: +49 228 3821-1434

Universität des Saarlandes
Prof. Dr. Ulrich Schäfer
Tel.: +49 681 302 2019