Niederlande

Forschung, Entwicklung und Innovation spielen in den Niederlanden eine zunehmend wichtige Rolle. In den Bereichen Wissenschaft und Technologie sind die Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden nicht formalisiert. Beide Länder pflegen intensive und freundschaftliche Nachbarschaftsbeziehungen, die grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit ist auf vielen Gebieten von großer Bedeutung.

Universität in Groningen

Universität Groningen © sharifphoto / iStock / Thinkstock

Förderung der Zusammenarbeit

Im Rahmen des Europäischen Forschungsraumes (EFR), geschieht die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den Niederlanden weitgehend in direktem Kontakt zwischen Forscherinnen / Forschern und Forschungseinrichtungen, ohne dass es besonderer staatlich unterstützter Kontaktanbahnung bedarf. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in der Unterstützung des Auf- und Ausbaus von Netzwerken.

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Aktuelles

Zwischen beiden Ländern gibt es einen intensiven und regelmäßigen Austausch auf den Feldern von Bildung, Forschung und Innovation. Dieser Austausch erfolgt sowohl auf bilateraler Ebene als auch im europäischen Rahmen. Die letzten Regierungskonsultationen fanden im Frühjahr 2013 statt; das letzte bilaterale Gespräch zwischen Ministerin Wanka und ihrer niederländischen Amtskollegin Bussemaker war 2014 in Berlin.

Politischer Rahmen

Ein Abkommen auf Regierungsebene zur bilateralen Kooperation im Bereich Wissenschaft und Forschung existiert zwischen Deutschland und den Niederlanden nicht. Am 25. September 2001 haben in einer gemeinsamen Erklärung die damalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, und der ehemalige Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft der Niederlande, Loek Hermans einen umfassenden Informationsaustausch über die Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungspolitik geführt und für die Zukunft eine noch engere, systematische Zusammenarbeit sowohl auf bilateraler wie auf europäischer und multilateraler Ebene vereinbart (Deutsch-Niederländisches Zusammenarbeitsabkommen).

Die Niederlande gehören laut Global Competitiveness Report 2014-2015 weiter zu den zehn wettbewerbsfähigsten und innovativsten Nationen weltweit. Ihre ausgewogene Wettbewerbsfähigkeit wird dadurch deutlich, dass sie auch bei den drei Leitindikatoren (Rahmenbedingungen (Rang 10), Effizienz (Position 8) und Innovation (Platz sechs) jeweils zu den führenden Ländern gehören. Im Vergleich zum Vorjahr stabilisierten sich die Niederlande auf Rang acht.

Im Hinblick auf die Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) belegen die Niederlande innerhalb der EU einen mittleren Platz: Der FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag bei 2,0 Prozent (2013) und damit etwa im Bereich des EU-Durchschnitts (OECD: 2,4 Prozent in 2013) 1. Das selbst gesteckte Ziel der Niederlande für 20202 ist ein FuE-Anteil am BIP von 2,5 Prozent. Der aktuelle Innovation Union Scoreboard 2015 (IUS 2015) sieht die Niederlande bezüglich der Innovationsleistung an Position fünf innerhalb der EU (Deutschland liegt laut IUS 2015 an vierter Stelle hinter Schweden, Dänemark und Finnland). Die Niederlande führen damit erstmalig die Gruppe der „Innovation followers“ an. Diese Gruppe weist eine Innovationsleistung über dem EU-Schnitt auf. Die Niederlande zählen zu jenen Ländern mit einem kontinuierlichen Anstieg der Innovationsleistung. Der IUS 2015 hebt die positive Innovationsentwicklung in den Niederlanden mit einem offenen und exzellenten Forschungssystem hervor.

In seiner Regierungserklärung vom 13. November 2012 bezeichnete der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte eine nachhaltige und innovative Wirtschaft als eine der wichtigsten Säulen für eine erfolgreiche Politik und eine positive gesellschaftliche Entwicklung. Dafür sollen zusätzliche Investitionen in die Spitzenforschung und in die Qualität des Bildungswesens getätigt werden. Ein Fokus liegt auf dem zukunftsorientierten Wachstum in Sektoren, in denen sich, laut Rutte, Chancen für die Niederlande bieten.

Die aktuelle Regierung knüpft nahtlos an den wirtschafts- und innovationspolitischen Spitzensektoren-Ansatz von 2011 an. In den Spitzensektoren („Top Sectors“), die die spezifischen Stärken der niederländischen Wirtschaft (und Forschung) spiegeln, sollen die Mittel für Forschung und Innovation kanalisiert werden. Die niederländische Politik konzentriert ihre Unterstützung auf Initiativen, Kooperationen und Verbünde in diesen Spitzensektoren. In diesen Themenfeldern sollen darüber hinaus Hochschulen intensiv mit Unternehmen kooperieren. So stellte die Regierung 2013 etwa 22 Millionen Euro zur Verfügung, um die Einbindung von KMU in die Spitzensektoren zu stimulieren. Die neun Spitzensektoren sind: Lebenswissenschaften, Hightech-Systeme, Chemie, Ernährung/Lebensmittel (Agro-Food), Energie, Logistik, Wasser, Kreative Industrien/ Kreativwirtschaft sowie Gartenbau/Pflanzenbau. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Agro-Food-Bereichs zeigt sich unter anderem darin, dass fast 10 Prozent der weltweit eingereichten Patentanmeldungen in diesem Sektor aus den Niederlanden kommen.

Der Ende 2014 veröffentlichte Wissenschaftsbericht „2025 Vision for Science – Choices for the Future” gilt als Leitlinie für die zukünftige Forschungs- und Innovationspolitik.

Als wichtige Beratungsgremien in der Forschungs- und Innovationspolitik arbeiten der Rat für Wissenschafts- und Technologiepolitik und die Königliche Akademie der Künste und Wissenschaften (KNAW).

KNAW dient als Forum für die wissenschaftliche Gemeinschaft der Niederlande und als Dachorganisation für 17 Forschungsinstitute im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Lebenswissenschaften. Sie fördert darüber hinaus nationale und internationale Forschungskooperationen. Ebenfalls als wichtige Förderorganisationen aktiv sind die “Netherlands Organisation for Scientific Research“ (NWO) und die “Netherlands Organisation for Applied Research“ (TNO). NWO fördert die wissenschaftliche Qualität und Innovation in der Forschung und initiiert neue Entwicklungen. Sie vergibt Fördermittel und unterstützt die Verbreitung von Forschungsergebnissen. Ihr Fokus liegt in erster Linie auf der Forschung an Universitäten. Neben ihrer Rolle als Forschungsförderorganisation unterhält die NWO neun Institute der Grundlagenforschung. Der Schwerpunkt der Aktivitäten der TNO liegt bei sozial und wirtschaftlich relevanten Themen sowie bei aktuellen Innovationen und konkreten Anwendungen. TNO unterstützt insbesondere Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU).

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Eine intensive deutsch-niederländische Zusammenarbeit findet in regionalen Netzwerken zwischen deutschen (vor allem niedersächsischen sowie nordrhein-westfälischen) Hochschulen und Unternehmen mit niederländischen Partnern statt. Die Euregios spielen im Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden eine zentrale Rolle bei der Verwaltung der EU-Fördergelder aus dem INTERREG-Programm (aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung EFRE).

Im deutsch-niederländisch-belgischen Grenzgebiet ist eine wachsende Zahl an Technologie-Netzwerken in Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschulen und anderen Einrichtungen entstanden. TTR-ELAt steht für „Top Technology Region - Eindhoven/ Leuven/ Aachen technology triangle“. TTR-ELAt verkörpert eine europäische Stärkeregion für Elektronik, Nanoelektronik sowie Life Sciences. Das Bündnis verfolgt das Ziel, die Forschung in den Bereichen Gesundheit („Life Sciences“), der Materialentwicklung (insbesondere Chemie) und in den Informations- und Kommunikationstechnologien stärker miteinander zu verknüpfen. Darüber hinaus sollen die Arbeits- und Finanzmärkte der Region grenzüberschreitend zusammen wachsen. Die Zusammenarbeit erfolgt nach dem Triple-Helix-Modell mit Partnern aus Wirtschaft, Forschung und Politik.

In den BMBF-Fachprogrammen liegt der thematische Schwerpunkt der Projekte mit niederländischer Beteiligung in absoluten Zahlen in den Informations- und Kommunikationstechnologien.

Der Fokus in Projekten des 7. EU-Forschungsrahmenprogrammes mit gemeinsamer deutscher und niederländischer Beteiligung liegt in Bezug auf die Zahl der Projekte auf den Feldern Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Gesundheit. Auch im EU-Rahmenprogramm für Forschung und innovation „Horizont 2020“ zeichnet sich eine intensive Kooperation deutscher und niederländischer Partner ab.


1 OECD Main Science and Technology Indicators 2014/1

2 National Reform Programme 2013