| von Ralf Hagedorn

Rumänien

Im Zuge von Rumäniens EU-Beitritt hat sich Deutschland zu einem der wichtigsten Partner entwickelt. Deutsche Experten und Technologien werden intensiv nachgefragt für die Anstrengungen, die rumänische Infrastruktur an die EU heranzuführen. Rumänien besitzt traditionelle Forschungsstärken in der Grundlagenforschung und im ingenieurwissenschaftlichen Bereich.

Rumänische Akademie der Wissenschaften

© Internationales Büro/Ralf Hagedorn

Förderung der Zusammenarbeit

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt mit verschiedenen Förderbekanntmachungen die Zusammenarbeit deutscher Einrichtungen mit rumänischen Partnern. Durchgehend geöffnet bis Ende 2017 ist die Bekanntmachung „Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittelost- und Südosteuropa“.

Außerdem fördern das BMBF, Österreich, die Tschechische Republik, Ungarn, Rumänien und Kroatien gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte (FuE-Projekte) mit dem Schwerpunkt Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren in allen technologischen Bereichen und Anwendungsgebieten ziviler Natur. Die Ausschreibung wird gemeinsam mit und gemäß den Verfahren der EUREKA-Forschungsinitiative durchgeführt und ist noch bis zum 31. März 2017 geöffnet.

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Aktuelles

Die Errichtung des rumänischen Pfeilers des europäischen Großlaserprojekts ELI liefert einen Beitrag gegen den „Brain Drain“. Davon zeigte sich der rumänischen Staatspräsident Klaus Iohannis bei seinem Besuch im April 2015 auf der Baustelle überzeugt. Das europäische Projekt Extreme Light Infrastructure (ELI), eine Laser-Großforschungseinrichtung, wird in tschechisch-ungarisch-rumänischer Kooperation errichtet. Das europäische Großprojekt, an dem auch deutsche Forschungseinrichtungen – u.a. das Max-Planck-Institut für Quantenphysik – beteiligt sind, wird eine Laserleistung erbringen, die den Wert heutiger Laseranlagen um den Faktor Tausend übersteigt. Bei Fertigstellung 2018 wird Rumänien mit der Nuklearphysikanlage (ELI-NP) den komplexesten Pfeiler des Vorhabens stellen. Die Anlage entsteht in Magurele bei Bukarest, nahe der für Rumänien beteiligten Nationalinstitute für Physik und Nukleartechnologie „Horia Holubel“ (IFIN-HH) bzw. für Laser, Plasma und Strahlungsphysik (INFLPR).

Iohannis betonte bei seinem Besuch, dass ELI-NP Rumänien einen Spitzenplatz auf der Landkarte europäischer Grundlagenforschung bringen werde. Das Projekt habe bereits einige rumänische Spitzenforscher zur Rückkehr in ihr Heimatland bewogen, um dort die Entwicklungsarbeiten voranzubringen.

Politischer Rahmen

Die deutsch-rumänische Forschungskooperation reicht bis ins Jahr 1973 zurück, sie beruht auf einem Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Rumänien über wissenschaftliche Forschung und technologische Entwicklung vom 29. Juni 1973.

Für den aktuellen Strategiezyklus 2014-2020 gilt die Maßgabe der rumänischen Forschungspolitik, dem etablierten „F,EuI-Motor“ ein Getriebe in Richtung wirtschaftlicher und sozialer Umsetzung hinzuzufügen. Als künftiges Kernziel ist die Erhöhung des BIP-Anteils für FuE-Aufwendungen auf 2% bis 2020 definiert.

Im Oktober 2014 hat die rumänische Regierung die Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsstrategie 2014-2020 verabschiedet. Die drei strategischen Ziele gelten der

  • Steigerung wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation,
  • Steigerung des rumänischen Beitrags zum Wissensfortschritt und
  • Steigerung der Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft.

Die FuE-Ausgaben gemessen am BIP sollen bis Ende des Jahrzehnts auf je 1,0% aus öffentlichen und privaten Quellen steigen. Weitere ambitionierte Ziele gelten der Steigerung von Publikationsintensität (Verdreifachung) und Patentanmeldungen (Verzehnfachung). Nationale Forschungsstärken werden vor dem Hintergrund der Abstimmungen regionaler intelligenter Spezifizierung (RIS3) in den Bereichen Bioökonomie, Informationstechnologien, Energie, Umwelt sowie Ökotechnologien gesehen. Wichtigste gesellschaftliche Herausforderung - auch in Bezug auf die forschungspolitischen Prioritäten - besteht im Bereich Gesundheit.

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Der Innovation Union Progress-Report (IUP) 2013 listet die vorrangigen Kompetenzen auf Basis von Publikations- und Patentaktivitäten auf. Stärken des rumänischen Forschungssystems liegen demnach in den Bereichen Automobilbau, Informations- und Kommunikationstechnologien, Sicherheitstechnologie, Nanowissenschaften und Neue Produktionstechnologien.

Im Rahmen der BMBF-Bekanntmachungen seit Rumäniens EU-Beitritt sind Projekte vorrangig gefördert worden in den Bereichen:

  • Gesundheitsforschung,
  • Umweltforschung,
  • Produktionstechnologien sowie
  • Informations-/Kommunikationstechnologien.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

BMBF-Donauraumbekanntmachung 2013

Im Rahmen der ersten Donauraumbekanntmachung 2013 erweist sich Rumänien als beliebtestes Kooperationsland des Flussunterlaufs. In 38 der eingereichten 67 Projektvorschläge finden sich Partnerorganisationen aus Rumänien, bei den befürworteten 31 Vorhaben stellt Rumänien mit 18 Projektbeteiligungen den größten Anteil der Unterlaufländer und nach Ungarn den insgesamt zweitgrößten. Etwa drei Viertel der abgeschlossenen Projekte gehen in eine zweite Phase zur Vorbereitung von Anschlussanträgen v.a. auf EU-Ebene.

German Day

Im Juni 2010 fand erstmalig ein „German Day“ auf der EXPO APA Bukarest statt. Im Rahmen des wissenschaftlichen Jahreskongresses auf dieser rumänischen Leitmesse für Wasserwirtschaft gab es auf Basis von Vorträgen deutscher Akteure Gelegenheit zum fachlichen Meinungsaustausch sowie Möglichkeiten zu Einzelgesprächen. Mit der Veranstaltung wurde erreicht, das innovative Angebotsspektrum deutscher Organisationen und Unternehmen im Bereich der Wasserforschung und -technologien darzustellen. Der erste German Day erfuhr eine erfolgreiche Nachfolgeveranstaltung im Rahmen der EXPO APA 2011.

Internationale Technikmesse Bukarest

Im Oktober 2010 nahm das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zum dritten Mal in Folge an der Bucharest International Technical Fair - TIB teil. Der wiederum vom Internationalen Büro organisierte Gemeinschaftsstand bot elf deutschen Forschungseinrichtungen, forschenden Unternehmen und Netzwerken die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Schwerpunktthemen der Aussteller waren Mikrosystemtechnik, Erneuerbare Energien, Automobiltechnik, Produktion/Automation und Sicherheitstechnik.

Besondere Einrichtungen

Bulgarisch-Rumänisches Interuniversitäres Europazentrum (BRIE)

Das Bulgarisch-Rumänische Interuniversitäre Europazentrum (BRIE) ist eine Institution für regionale Zusammenarbeit mit Sitz in Ruse (Bulgarien) und Giurgiu (Rumänien). Das BRIE wurde Ende des Jahres 2000 von der deutschen Hochschulrektorenkonferenz (HRK) als Projekt im Rahmen des Stabilitätspaktes für Südosteuropa initiiert und setzt seit 2002 Bildungs- und Forschungsprojekte auf der Basis regionaler und transnationaler Zusammenarbeit um. Das BRIE - bewusst in einer Grenzregion aufgebaut - kooperiert mit deutschen Universitäten, die sich ebenfalls in Grenzregionen befinden: TU Chemnitz (Deutschland-Tschechien) und Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder (Deutschland-Polen). Herkunft der bisher über 200 Studenten sind neben den Sitzländern Bulgarien und Rumänien insbesondere die Schwarzmeerregion sowie Westbalkan- und GUS-Staaten.

Ein aktuelles, erfolgreiches Projekt des BRIE ist BRAINS (Bulgarian-Romanian Area Identies: Neighbourhood Study), das von deutscher Seite mitinitiiert und mit EU-Strukturfördergeldern umgesetzt wurde. Auf Basis von Befragungsstudien bulgarischer und rumänischer Bürger und von Analysen deutsch-polnischer und deutsch-tschechischer Best-practice-Beispiele für europäische Integration wurde das Projektkonzept RO-BUL-NA (Romanian-Bulgarian Neighborhood Area) abgeleitet, um in der oft als getrennt und entlegen wahrgenommenen Region langfristig eine gemeinsame Identität der Bewohner zu stiften.

New Europe College

Das New Europe College Bukarest (NEC) wurde 1994 vom rumänischen Philosophie-Professor Andrei Pleşu gegründet. Name und Anfangsfinanzierung leiten sich aus dem New Europe Preis ab, der Pleşu im Anschluss eines Studienaufenthalts am Wissenschaftskolleg Berlin von einer internationalen Jury 1993 verliehen wurde. Gründungsidee war, zum einen eine Einrichtung zu geistes- und sozialwissenschaftlicher Spitzenforschung in Rumänien einzurichten, zum anderen den Forschungsstandort Rumänien durch internationale Verknüpfungen an die Weltspitze heranzuführen.

Für den Aufbau des NEC hat sich Deutschland ideell und finanziell stark engagiert, das BMBF fördert seit 2001 den wissenschaftlichen Betrieb. Weitere deutsche Förderer wie der Stifterverband der deutschen Wissenschaft, die Thyssen- und die Volkswagen-Stiftung waren und sind ebenfalls beteiligt, die Robert-Bosch-Stiftung finanzierte zwischen 2007 und 2009 ein spezielles Fellowship-Programm. Über bis heute insgesamt 13 NEC-Programme wurden jährlich im Schnitt 30 Stipendiaten gefördert, das Almuni-Netzwerk besteht heute aus über 500 ehemaligen Absolventen.

2014 gingen zwei ERC-Grants an Stipendiaten des NEC. Mit der jeweils fünfjährigen Unterstützung für ein Starting Grant („Steuerreformen und Rechenschaftspflichten im spätmittelalterlichen Savoyen“) und ein Consolidator Grant („Mode und Sozialstatus im frühmodernen Südosteuropa“) entfielen damit erstmals ERC-Preise auf Rumänien.

Kooperationen im Rahmen der EU

Das große Interesse Rumäniens an Beteiligung am Europäischen Forschungsraum wird untermauert durch die Teilnahme an circa 30 ERA-NETs und die Beteiligung an den Gemeinsamen Technologieinitiativen (JTI) ARTEMIS, IMI, ENIAC, Brennstoffzellentechnologie und „Clean Sky“.

Rumänien zählt zu den Initiatorenländern der EU-Makrostrategie für den Donauraum (EUSDR) und forcierte die Vorbereitung und Umsetzung der Strategie mit Gipfeltreffen in Bukarest im November 2010 und November 2011.

Die Rolle des Internationalen Büros

Die bilaterale Kooperation der Regierungen sowie der Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen wird in Deutschland auch vom Internationalen Büro unterstützt.