Überregionale Aktivitäten in Subsahara-Afrika

Deutschland hat eine lange Tradition in der wissenschaftlichen Bildungs- und Forschungszusammenarbeit mit Ländern in Subsahara-Afrika. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat bereits in den späten 1970er Jahren hier den Grundstein gelegt.

Landschaft in Afrika

© David Strydom / Hemera / Thinkstock

Politischer Rahmen

Regierungsabkommen zur wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit, wie z. B. mit der Republik Südafrika (1994) stärken die existierenden Verbindungen. Gemeinsam mit den deutschen Bildungs-, Forschungs- und Mittlerorganisationen (z. B. DFG, DAAD, FhG, MPG, HGF u.v.m.) wurden seither die Kooperation mit Staaten Subsahara-Afrikas vorangetrieben. Die seit 2005 bis heute um das fast Fünffache gestiegenen afrikaspezifischen Ausgaben des BMBF sowie der Organisationen für Kooperationen in Bildung und Forschung unterstreichen den Stellenwert der Kontinenten-übergreifenden Zusammenarbeit. Der DLR Projektträger ist in diesen Prozessen ein enger Partner des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), er unterstützt mit dem Internationalen Büro Maßnahmen zur Sondierung, Anbahnung sowie der Umsetzung bi- und multilateraler, internationaler Kooperationen auf verschiedenen Feldern von Bildung und Forschung.

Laufende Kooperationen sind Teil eines größeren Strategieprozesses, zum einen zwischen Europa und Afrika, zum anderen aber auch bilateral zwischen Deutschland und afrikanischen Partnerstaaten:

Gemeinsame Afrika-EU-Strategie

Die „Gemeinsame Afrika-EU-Strategie“ (PDF 250 KB) (Joint Africa-Europe Strategy; JAES) zwischen Europa und dem afrikanischen Kontinent zielt u.a. auf die Verbesserung und Intensivierung der Zusammenarbeit auf den Gebieten Wissenschaft, Technologie und Innovation ab. Zur Umsetzung der Strategie wurden seither drei Aktionspläne aufgelegt (Laufzeiten 2008-2010, 2011-2013, 2014-2017). Im Jahr 2010 wurde beim dritten Afrika-EU-Gipfel in Tripolis/Libyen zudem das Senior Officials Meeting (SOM) ins Leben gerufen, ein Dialogforum zur Forschungs- und Entwicklungs- (FuE)Politik auf der Ebene höherer Entscheider. Im Jahr 2013 wurde aus dem SOM der Hochrangige Politik-Dialog (High Level Policy Dialogue – HLPD). Als Unterstützung des Prozesses wurde das HLPD Bureau eingesetzt, dessen Vorsitzende die Europäische und die Afrikanische Unions Kommissionen sind, sowie die Staaten Algerien, Burkina Faso, Burundi, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Portugal und Südafrika. Das Internationale Büro unterstützt das BMBF in seiner aktiven Rolle als Vertreter Deutschlands im HLPD Bureau; die Sitzungsvor- und Nachbereitung wird gemeinsam mit dem BMBF, die Sitzungen teils auch stellvertretend für das BMBF wahrgenommen: Dadurch hat das Internationale Büro einen zentralen Einblick in laufende Strategieprozesse und kann basierend auf seiner Regionalexpertise im Sinne des BMBF beratend an den Prozessen mitwirken. Für die laufenden Implementierungsprozesse der Roadmap zu Lebensmittelsicherheit und nachhaltiger Landwirtschaft (Food and Nutrition Security and Sustainable Agriculture – FNSSA) stellt das Internationale Büro auch ein Bindeglied zu weiteren auf dem Gebiet tätigen Organisationen dar.

Unterstützung der Afrikastrategie des BMBF

Die strategische Ausrichtung der nationalen Kooperation in Bildung und Forschung mit den Ländern Afrikas wurde in der Afrikastrategie des BMBF 2014-2018 (PDF 4,4 MB) dargestellt, die die Grundlagen der Kooperationen sowie insgesamt dreißig Kooperationsmaßnahmen in den Bereichen Bildung und Forschung darstellt. Hiermit wird Deutschland in Afrika als zentraler Partner in Bildung und Forschung sichtbar gemacht. Das Internationale Büro ist Ansprechpartner und auch Umsetzungsorganisation für etliche dieser 30 Maßnahmen und hat damit eine zentrale Rolle in der Implementierung der politischen Strategiesetzung. Die Afrikastrategie des BMBF wurde durch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka im Juni 2014 im Rahmen einer Veranstaltung, die durch das Internationale Büro organisiert wurde, einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Kick-off Workshop zur Maßnahme "Förderung von Maßnahmen für Forschung und integrierter, postgradualer Aus- und Fortbildung"

Gruppenbild Kick-off Workshop | © Margot Weiler / DAAD
© Margot Weiler / DAAD

Am 1.-2. Dezember 2016 fand auf Einladung des BMBF in Bonn der Kick-off-Workshop zur Fördermaßnahme „Partnerschaften für nachhaltige Lösungen mit Subsahara-Afrika: Förderung von Maßnahmen für Forschung und integrierter, postgradualer Aus- und Fortbildung“ statt. Es nahmen über 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus deutschen und afrikanischen Instituten, Organisationen und Unternehmen teil.

Mit dieser innovativen Fördermaßnahme werden Forschung und Maßnahmen zur postgradualen Aus- und Fortbildung (Master und PhD) innerhalb der Projekte miteinander verzahnt. Das aus der Forschung generierte Wissen kann damit direkt in die Aus- und Fortbildung Postgraduierter fließen und dadurch die nächste Generation Wissenschaftler vorbereiten. Die Themenschwerpunkte der Bekanntmachung waren Bioökonomie, nachhaltige Stadtentwicklung und Ressourcenmanagement (Rohstoffe).

Es werden 13 Projekte über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren gefördert: 5 Projekte werden im Bereich Bioökonomie, zwei im Bereich Stadtentwicklung, 4 an der Schnittstelle von Bioökonomie und Stadtentwicklung und eines im Bereich Rohstoffe/Ressourcenmanagement gefördert.

An den Projekten sind Partner aus 13 afrikanischen Ländern beteiligt (Äthiopien, Algerien, Botswana, Côte d’Ivoire, Malawi, Marokko, Mosambik, Namibia, Niger, Sambia, Südafrika, Tansania, Uganda).

BMBF-Projekt zur Wasser- und Energiesicherheit mit der Panafrikanischen Universität (PAU)

Die Entwicklung der Panafrikanischen Universität (PAU) schreitet voran. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das algerische PAU Institut für Wasser, Energie und Klimawandel (PAUWES) mit dem dreijährigen Projekt „Water and Energy Security for Africa (WESA)“. Das Projekt wird vom United Nations University Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS) koordiniert und sein Konsortium setzt sich aus PAUWES, der Abou Bekr Belkaid Universität in Tlemcen, dem Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) an der Universität Bonn sowie dem Institut für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen (ITT) an der Technischen Hochschule Köln zusammen.

PAUWES ist eines der fünf Institute der Panafrikanischen Universität angesiedelt an der Universität Tlemcen in Algerien. Die PAU wurde durch die Kommission der Afrikanischen Union in 2008 initiiert, mit dem Ziel, die Hochschulbildung, Wissenschaft und Technologie des afrikanischen Kontinents auf hohem akademischem Niveau zu fördern. Der Fokus liegt auf der Ausbildung von Masterstudierenden und Doktoranden sowie auf dem Aufbau angewandter Forschung. Die Panafrikanische Universität orientiert sich an der Vision eines Afrikas, das von Afrikanern gestaltet wird und als eine dynamische Kraft im globalen Kontext agiert. Sie ist ein breites, integriertes System von Universitätsinstituten, die über den afrikanischen Kontinent verteilt sind. Dazu zählen die Panafrikanischen Universitätsinstitute für "Basic Sciences, Technology and Innovation" in Kenia, für "Life and Earth Sciences, including Health and Agriculture” in Nigeria, für “Governance, Humanities and Social Sciences" in Kamerun sowie für “Space Sciences" in Südafrika.

Das Projekt “Water and Energy Security in Africa (WESA)”, gefördert durch das BMBF, zielt auf die Unterstützung der Entwicklung von PAUWES ab, indem es die Forschungsaktivitäten in den Wasser- und Energiewissenschaften stärkt.

Das WESA-Projekt fördert die Entwicklung innovativer Forschung, welche an lokale Kontexte angepasst und in den Bereichen der Wasser- und Energiesicherheit in Afrika angewandt werden kann. Das Projekt stellt den ersten Schritt der Implementierung der PAUWES Forschungsagenda dar und bietet gleichzeitig PAUWES-AbsolventInnen die Möglichkeit, Promotionsstudien aufzunehmen. Die Unterstützung von jungen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen spielt eine zentrale Rolle innerhalb der PAUWES Forschungsagenda, mit dem Ziel, wissenschaftliche Ergebnisse zu entwickeln. Neben den institutionellen und wissenschaftlichen Zielen zählen die Integration von PAUWES in wissenschaftliche Netzwerke und die Etablierung von PAUWES als panafrikanischer (und darüber hinaus) Hub bzw. Plattform im Bereich Energie, Wasser und Klimawandel zu den weiteren wichtigen Komponenten des WESA Projekts.

Das BMBF unterstützt PAUWES in enger Zusammenarbeit mit dem BMZ. BMZ und BMBF teilen ihre Aktivitäten dabei in komplementärer Weise untereinander auf. Während das BMZ und die Implementierungsorganisationen GIZ und DAAD hauptsächlich die Entwicklung der Masterstudiengänge und der generellen Verwaltungsstrukturen unterstützt, fördert das BMBF PAUWES bei der Entwicklung der Forschungsagenda.

Afrika-Tage des BMBF

Eine Vorstufe und einen wichtiger Beitrag auf dem Weg zur Entwicklung der Afrikastrategie des BMBF stellten die Afrika-Tage des BMBF dar. Über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter 180 aus 38 afrikanischen Ländern waren an zwei Tagen auf Einladung von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka nach Berlin gekommen, um neben fachspezifischen auch themenübergreifende Diskussionen zu den Kooperationsprojekten zu führen, deren Ergebnisse als Beitrag zu zukünftigen strategischen Planungen, wie z. B. der Afrikastrategie des BMBF 2014-2018 dienen sollten. Diese Großveranstaltung im März 2014 wurde durch das Internationale Büro vorbereitet und im Auftrag des BMBF durchgeführt.

Schwerpunkte der bilateralen Kooperation

Die Kooperation in Bildung und Forschung mit afrikanischen Staaten ist im Internationalen Büro regional gegliedert (Nordafrika, Ost-/Zentral-Afrika, südliches Afrika, Südafrika und Westafrika), die jeweils eine eigene wissenschaftliche Betreuung haben.
Die laufenden Maßnahmen liegen u. a. in den Gebieten der Bioökonomie, der Gesundheits- und Klimaforschung, der Bildungsforschung, Informations- und Kommunikations-Technologie oder der Umweltforschung.

Nennenswert sind z. B. die folgenden, durch das Internationale Büro mitinitiierten und/oder betreuten Projekte:

  • Die Servicezentren zur Klimaforschung und nachhaltigen Landnutzung im südlichen und westlichen Afrika, die sich der Bewältigung der Folgen des Klimawandels widmen (SASSCAL / WASCAL – Southern bzw. Western African Science Center for Climate Change and Adaptive Land Use)
  • Der Auf- und Ausbau von Netzwerken für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika, die einen integrierten Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsforschung und des Gesundheitsinfrastruktur-Auf- und Ausbaus in den afrikanischen Partnerstaaten leisten.
  • Die pan-afrikanische Initiative AIMS (African Institutes for Mathematical Sciences), in der die Einrichtung von insgesamt fünf Forschungslehrstühlen für Mathematik durch das BMBF vorangetrieben wird.

Die enge organisatorische Nähe zwischen den Fachabteilungen des DLR Projektträgers, des Internationalen Büros sowie die Vernetzung mit weiteren Projektträgern und Wissenschafts- und Mittlerorganisationen national und international erlaubt eine direkte Kommunikation und Interaktion, so dass die fachliche sowie die regionale Expertise in den Projekten gemeinsam und zielgerichtet Anwendung finden.

Das Internationale Büro als Partner in multilateralen Kooperationsprozessen

Die Erfahrung des Internationalen Büros aus der bi- und multilateralen Zusammenarbeit fließt auch in europäische und internationale, bi- und multilaterale Projekte als Kooperationspartner oder Projektkoordinator mit ein.

ERAfrica

Ein prominentes Beispiel ist das EU-Rahmenfinanzierte Netzwerk ERAfrica: Hier nahm das Internationale Büro im Rahmen der ersten multilateralen europäisch-afrikanisch finanzierten Förderinitiative ERAfrica eine zentrale Funktion ein. Das Internationale Büro war maßgeblich an der Vorbereitung der grundlegenden Dokumente zur gemeinsamen Umsetzung dieser bisher einzigartigen Initiative beteiligt, in der 20 europäische und afrikanische Programmträger aus 15 verschiedenen Ländern (Ägypten, Belgien, Burkina Faso, Deutschland, Elfenbeinküste, Finnland, Frankreich, Kenia, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweiz, Südafrika, Türkei) eine gemeinsame Fördermaßnahme durchführten. Das Internationale Büro agierte an zentraler Stelle als das Sekretariat, das den Peer-Review-Prozess der eingereichten Anträge koordinierte und umsetzte, damit als Anlaufstelle und Vermittler aller Geldgeber sowie Antragstellenden fungierte. Insgesamt wurden 17 Projekte zur Förderung gebracht. Das Internationale Büro begleitet diese Vorhaben nun im Rahmen seiner Monitoring-Verantwortung nicht nur im Auftrag für den nationalen Geldgeber BMBF sondern darüber hinaus auch für die weiteren internationalen Partner.
Die Evaluierung der Rolle des Internationalen Büros im Rahmen des ERAfrica-Sekretariats wurde im Rahmen einer unabhängigen Evaluierung als „sehr gut“ eingestuft. Die Evaluation wurde von JOYN-COOP durchgeführt.

In weiteren EU-finanzierten Vorhaben in Subsahara-Afrika ist das Internationale Büro als Projektpartner in Politikdialogen (z. B. ESASTAP Plus – Fokus auf Zusammenarbeit mit Südafrika) oder CAAST-NET Plus (Gesamtafrika, überregional) sowie in koordinierender Rolle in RINEA (Gesamtafrika, überregional) tätig.

RINEA

Im Projekt RINEA (Research and Innovation Network for Europe and Afrika) ist das Internationale Büro als Koordinator eines afrikanisch-europäischen Konsortiums aus Ministerien und Förderorganisationen aktiv. Ebenso ist als übergeordnete Organisation das African Observatory for Science, Technology and Innovation (AOSTI) der Afrikanischen Unions-Kommission beteiligt. Das Projekt RINEA unterstützt das Büro des hochrangigen Politik-Dialoges (HLPD) z. B. in der Erarbeitung von Analysen und Stellungnahmen, die durch das Büro beauftragt werden. Gemeinsame Initiativen zwischen europäischen und afrikanischen Förderorganisationen z. B. Förderinitiativen können durch RINEA im Rahmen der Planung und Vorbereitung unterstützt werden. Darüber hinaus betreibt RINEA ein Internetportal, das spezifisch auf die Kooperationen beider Kontinente in Wissenschaft, Technologie und Innovation fokussiert und auch die politischen Hintergrunddokumente zur Erarbeitung der gemeinsamen EU-Afrika-Strategie (JAES) sowie den aktuellen Stand der Entwicklungen widerspiegelt. Diese Dokumente werden durch das HLPD-Bureau offiziell zur Verfügung gestellt.