Tunesien

Kooperationen mit Tunesien in Bildung, Forschung und Innovation bieten sich besonders an zu den Bereichen Wasser, Energie und Ernährung. Kooperationen werden von Tunesien vor allem dann begrüßt, wenn Sie Komponenten enthalten, die an der Schnittstelle Wissenschaft/Wirtschaft und der Qualifizierung von Absolventinnen und Absolventen für den Arbeitsmarkt ansetzen. Für das Jahr 2016 ist eine Assoziierung Tunesiens an das EU-Programm Horizont 2020 geplant.

Flagge Tunesiens

Förderung der Zusammenarbeit mit Tunesien

Das Internationale Büro (IB) fördert im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Maßnahmen und Vorhaben in der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit Tunesien im Rahmen aktueller Bekanntmachungen des BMBF.

Im Kern geht es um die Förderung der Zusammenarbeit im Bereich der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung zwischen beiden Ländern durch die Unterstützung des Wissenschaftleraustausches und gemeinsamer Forschungsprojekte.

Die vom IB implementierten Förderprogramme mit Tunesien orientieren sich dabei vor allem an der Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung, dem Aktionsplan Internationale Kooperation des BMBF sowie der Afrikastrategie 2014-2018 des BMBF.

Grundsätzlich können auf Antrag Zuschüsse im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und Tunesien gewährt werden.

Im Jahr 2012 wurde die erste gemeinsame Bekanntmachung des BMBF mit dem tunesischen Forschungsministerium (MESRS) zur Förderung von bilateralen Forschungsprojekten veröffentlicht.

Im Jahr 2015 folgte eine zweite gemeinsame Bekanntmachung.

Hintergrundinformationen zur Kooperation mit Tunesien

Die Kooperationsbeziehungen zwischen Deutschland und Tunesien in Bildung, Forschung und Innovation werden seit dem Jahr 2011 beständig weiter verstärkt und ausgebaut. Deutschland und Tunesien pflegen seit den 1960er Jahren gegenseitige Beziehungen. Seit der Revolution vom Januar 2011 unterstützt die Bundesregierung das Land bei dem Übergang zur Demokratie. Zwischen beiden Regierungen wurde eine „Transformationspartnerschaft“ vereinbart, die durch regelmäßige Regierungskonsultationen gesteuert wird. Im Jahr 2014 veröffentlichte das BMBF seine Strategie zur Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern, welche die thematischen Schwerpunkte des BMBF für die Kooperationen auch mit den nordafrikanischen Ländern in Bildung und Forschung beschreibt.

Gemessen an der Fläche und der Einwohnerzahl ist Tunesien ein vergleichsweise kleines Land. Es besitzt darüber hinaus keine nennenswerten Bodenschätze. Anknüpfend an die für die Region wegweisende Entscheidung der tunesischen Regierung zu Beginn der 1990er Jahre auf exportorientiertes Wirtschaftswachstum zu setzen, wurden die Investitionen des Staates in Hochschulausbildung und Forschung verstärkt. Dabei konnte Tunesien bereits zu diesem Zeitpunkt auf ein gutes Humankapital aufbauen. Der Bildungsstand in Tunesien ist sehr gut, was die Alphabetisierungs- und Einschulungsraten zeigen. Und gemessen an der Größe des Landes weist Tunesien die in der Region höchste Dichte an Forschenden auf. Wegweisend waren bis zum Jahr 2011 auch die Investitionen in den Forschungsbereich, die als einziges Land in der Region den Richtwert von 1 Prozent des BIP erreichten. Der Arab Knowledge Report (2009) weist den tunesischen Forschungseinrichtungen eine im innerregionalen Vergleich sehr gute Qualität zu. Zentrales Element der tunesischen Innovationspolitik ist die Förderung von Technologiezentren. Mit der Gründung von Technologiezentren (technopôles) strebt man eine bessere Anbindung und Anwendungsorientierung zwischen Industrie und Wissenschaft an. Des Weiteren wird auch das entwicklungs-politische Ziel verfolgt, der nationalen wirtschaftlichen Entwicklung Impulse mittels technologischer Innovationen zu geben. Die Zentren sollen wissenschaftliche Exzellenz in einem bestimmten Feld aufbauen oder vertiefen. Sie verfolgen die folgenden Ziele:

  • innovative und hochqualitative Produkte für einheimische und auswärtige Märkte zu entwickeln;
  • Perspektiven für den Arbeitsmarkt für Hochschulschulabgänger zu schaffen;
  • Partnerschaften zwischen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Instituten zu fördern und
  • Investitionsanreize für ausländisches Kapital zu schaffen.

Das Land kämpft gegenwärtig allerdings mit gewaltigen Herausforderungen. Zuvorderst ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu nennen. In Tunesien sind dabei überdurchschnittlich viele Akademikerinnen und Akademiker von der Arbeitslosigkeit betroffen. Dies hängt unter anderem mit der strukturellen Schwäche des Privatsektors zusammen. Die Unternehmen können nicht ausreichend Arbeitsplätze für die hohe Zahl an Akademikern schaffen. Andererseits können viele Hochschulabsolventen von den Unternehmen auch nicht eingestellt werden, weil ihre Ausbildung für den Bedarf der (privaten) Unternehmen nicht ausreicht („skills mismatch“). Vor allem Sprachkenntnisse, Soft Skills, Flexibilität sowie Praxis- und Anwendungsorientierung von Wissen sind Kompetenzen, die tunesische Absolventinnen und Absolventen meist nicht mitbringen. Im Forschungs- und Innovationsbereich fehlt bisher ein kohärenter Politikansatz der beteiligten Ressorts. Auch ist der Transfer von Forschungserkenntnissen in die Wirtschaft bisher noch dysfunktional. Auch zeigt der Privatsektor bisher nur ein sehr geringes Interesse auf, in Forschung zu investieren. Die FuE Aktivitäten in Tunesien werden gegenwärtig nahezu ausschließlich aus öffentlichen Mitteln gefördert.

Politischer Rahmen

Das 1998 zwischen dem BMBF und dem Sekretariat des Premierministers für wissenschaftliche Forschung und Technologie der Republik Tunesien abgeschlossene „Memorandum of Understanding“ bildet die Grundlage für die wissenschaftlich-technologische Kooperation zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Tunesien.

Auf europäischer Ebene besteht seit 2004 eine Vereinbarung zwischen der EU und Tunesien zur Kooperation in den Bereichen Wissenschaft und Technologie.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit mit Tunesien

Im Vordergrund der Forschungskooperation stehen Fragen zum globalen Wandel (zum Beispiel Gesundheitsforschung inklusive Biotechnologie, Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Nahrung und Landwirtschaft, Umwelttechnologien, Klimawandel, Klimaschutz, Wasser).

Besondere Beachtung sollte der Schnittstelle von Forschung zu Industrie und Wirtschaft, der auf die Bedarfe des Arbeitsmarktes ausgerichteten Aus- und Weiterbildung von Fach- und Nachwuchskräften in Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung und schließlich der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft geschenkt werden.

Zunehmende Bedeutung wird der Bereich Geistes- und Sozialwissenschaft (zum Beispiel Demografie, Brain Circulation, Diversität, Migration) haben.