| von Ralf Hagedorn

Ungarn

Ungarn gilt als starker Wissenschafts- und Forschungsstandort in Mittelosteuropa. Die Hauptstadt Budapest ist Sitz so renommierter Hochschulen wie der Semmelweis- und der Eötvös-Loránd-Universität. Mit weiteren exzellenten Universitäten in Städten wie Debrecen, Szeged oder Pécs bietet Ungarn eine für Kooperationen attraktive Forschungslandschaft.

Akademie in Budapest

Akademie Budapest © Tamás Gyöngyösi / iStock / Thinkstock

Förderung der Zusammenarbeit

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt mit verschiedenen Förderbekanntmachungen die Zusammenarbeit deutscher Einrichtungen mit ungarischen Partnern. Durchgehend geöffnet bis Ende 2017 ist die Bekanntmachung „Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittelost- und Südosteuropa“.

Außerdem fördern das BMBF, Österreich, die Tschechische Republik, Ungarn, Rumänien und Kroatien gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte (FuE-Projekte) mit dem Schwerpunkt Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren in allen technologischen Bereichen und Anwendungsgebieten ziviler Natur. Die Ausschreibung wird gemeinsam mit und gemäß den Verfahren der EUREKA-Forschungsinitiative durchgeführt und ist noch bis zum 31. März 2017 geöffnet.

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Aktuelles

Deutsche Einrichtungen sind bei der Beteiligung an Wissens- und Innovationsgemeinschaften des Europäischen Instituts für Innovation (EIT) in Budapest weiterhin sehr erfolgreich. Bei den zwei neuen, 2014 ausgeschriebenen Wissens- und Innovationsgemeinschaften („Knowledge and Innovation Communities“, KICs) zu den Themen „Rohmaterialien“ und „Gesundheit“ stellt Deutschland mit Berlin und München die Hauptstellen (headquarters) und ist außerdem mit Heidelberg als Innovationsdrehscheibe im KIC Gesundheit vertreten.

Das EIT wurde 2007 von der EU-Kommission an die ungarische Hauptstadt vergeben. Ziel des EIT ist, über die Vernetzung von exzellenten Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationseinrichtungen in Europa eine Beschleunigung von Innovationsprozessen und Technologietransfer zu erreichen. Dazu soll eine Abbildung des Dreiecks Forschung, Bildung, Innovation in Wissens- und Innovationsgemeinschaften erfolgen, die Unterstützung von Geschäftsideenentwicklung und Start-up-Gründungen wird über Innovationsdrehscheiben (innovations hubs bzw. „co-location centres“ CLCs) angestrebt.

Schon in den ersten KICs unter den Titeln Klima, InnoEnergie und Digital, die 2009 vergeben wurden, finden sich mit Berlin, Karlsruhe und Stuttgart deutsche CLCs bzw. KIC-Offices.

Politischer Rahmen

Die deutsch-ungarische Forschungskooperation hat eine lange Tradition. Die bilaterale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie basiert auf dem Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Ungarn über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit vom 07.10.1987 (in Kraft seit: 07.10.1987). Darüber hinaus existiert ein bilaterales Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit mit Ungarn vom 01.03.1994. Verstärkte Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung und Technologie und nachhaltige Forschungskooperationen wurden in der Gemeinsamen Erklärung der beiden Forschungsministerien am 15. September 2004 in Budapest vereinbart.

Strategisches Hauptdokument für die kommenden Jahre bis 2020 ist die Nationale Strategie 2014-2020 für Forschung, Entwicklung und Innovation (FuEuI) „Investition in die Zukunft“. Sie ist gerichtet auf die Stärkung der wissensbasierten Wirtschaft, und setzt an den drei Hauptprozessen wissensgetriebener Wirtschaft an: Wissensgenerierung, Wissensanwendung und Knowhow-Fluss. Dazu sind sechs horizontale Ziele definiert, darunter Intelligente Spezialisierung in den Regionen, Instrumente für Nachhaltigkeit und Gleichstellung und stabile finanzielle Rahmenbedingungen. Ungarn will den Anteil von FuE am BIP bis 2020 weiter deutlich steigern, 1,8 Prozent bis zum Ende der Dekade lautet die Vorgabe der Nationalen FuEuI-Strategie.

Die bis 2020 national zur Verfügung stehenden Strukturmittel – ca. 21,5 Milliarden Euro – sind unter das Leitprogramm „Szechényi 2020“ gestellt. Mit knapp 8 Milliarden Euro entfällt der größte Teil der EU-Mittel auf das Operationelle Programm „Wirtschaftliche Entwicklung und Innovation“. Als wichtigste Prioritätsachsen sind darin benannt:

  • Forschung und Innovation
  • Informations- und Kommunikationstechnologien
  • Wettbewerbsfähigkeit von KMU

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Der Innovation Union Progress-Report (IUP) 2013 listet die vorrangigen Kompetenzen auf Basis von Publikations- und Patentaktivitäten auf. Stärken des ungarischen Forschungssystems liegen demnach in den Bereichen Gesundheit, Fahrzeugherstellung und Umwelt. Neben IKT besitzt Ungarn auch Stärken im Bedarfsfeld Sicherheit. Bei den Schlüsseltechnologien ist der Bereich Biotechnologie hervorzuheben.

Im Rahmen der BMBF-Bekanntmachungen seit Ungarns EU-Beitritt sind Projekte vorrangig gefördert worden in den Bereichen:

  • Umweltforschung,
  • Gesundheitsforschung,
  • Produktionstechnologien sowie
  • Informations-/Kommunikationstechnologien.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

BMBF-Donauraumbekanntmachung

Im Rahmen der ersten BMBF-Donauraumbekanntmachung 2013 erwies sich Ungarn als beliebtestes Kooperationsland in der gesamten Region. In 39 der eingereichten 67 Projektvorschläge finden sich Partnerorganisationen aus Ungarn, bei den befürworteten 31 Vorhaben stellt Ungarn mit 19 Projektbeteiligungen den größten Anteil aller Donauraumländer. Etwa drei Viertel der abgeschlossenen Projekte gehen in eine zweite Phase zur Vorbereitung von Anschlussanträgen vor allem auf EU-Ebene.

Im Rahmen der zweiten BMBF-Donauraumbekanntmachung 2015 beteiligt sich Ungarn als eines von drei Ländern über eine Kofinanzierungserklärung aktiv an der Unterstützung von Projektkooperationen.

Gemeinsame Förderung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und ungarische Behörden arbeiten eng bei der Förderung von Forschungskooperationen zusammen. So gab es 2013 eine gemeinsame Bekanntmachung zwischen BMBF und dem ungarischen Innovationsbüro (NIH) zur verstärkten Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie in gemeinsamen Kompetenzbereichen wie Lebens-, Agrar-, Umwelt- und Technischen Wissenschaften. Diese bilaterale Bekanntmachung wird wegen ihrer wechselseitigen Öffnung von Förderprogrammen von vielen Seiten als vorbildhaft für die Forschungszusammenarbeit in der Region Mittel- und Osteuropa eingeschätzt. Bis Ende 2016 arbeiten deutsche und ungarische Forscher in 14 Projekten zusammen. Mit acht Projekten spielt die Gesundheitsforschung dabei eine zentrale Rolle.

Besondere Einrichtungen

Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest

Die Andrássy Universität Budapest (AUB) wurde im Jahr 2001 als multinationales Gemeinschaftsprojekt der Bundesrepublik Deutschland, der Republik Ungarn, der Republik Österreich, des Bundeslandes Baden-Württemberg und des Freistaats Bayern gegründet. Ziel der Universität ist es, besonders begabte Hochschulabsolventinnen und -absolventen für Führungsaufgaben in Politik, Diplomatie, Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Medien im Bereich der europäischen Institutionen auszubilden. Sie ist dabei um die Vermittlung und Stärkung der gemeinsamen europäischen Werte bemüht und fördert die europäische Integration. Die Studienangebote lauten zum Beispiel auf Europäische und Internationale Verwaltung, International Economy and Business und Internationale Beziehungen und werden ergänzt durch einen postgradualen Masterstudiengang „Donauraumstudien“ sowie vier verschiedene Ph.D.-Programme in Geschichte, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft.

Die Universität zielt verstärkt auf eine Verbindung von Wissenschaftlichkeit und Marktorientierung. So fanden im Juni 2015 auf wirtschaftliche Anwendungen fokussierte Veranstaltungen wie der Business Model Workshop „AAL2Business“ sowie eine Tagung „Rechtliche Organisation grenzüberschreitender Unternehmensgruppen in Ostmittel- und Südosteuropa“ statt.

Kooperationen im Rahmen der EU

Ungarn ist an drei der 31 erfolgreichen EU-Teaming-Projekte beteiligt, alle drei laufen mit deutscher Beteiligung. Zwei der Projekte – „smartpolis“ in den Sozial-/Wirtschaftswissenschaften und HU-HOLMEDEX im Bereich Medizin/Lebenswissenschaften) sind bilateral ausgelegt, EPIC in den Informations-/Kommunikationstechnologien umfasst noch einen österreichischen Partner. Bei den deutschen Partnern sind zwei Institute der Fraunhofer-Gesellschaft sowie das Urban Software Institute und das European Molecular Biology Lab vertreten.

Die Rolle des Internationalen Büros

Die bilaterale Kooperation der Regierungen sowie der Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen wird in Deutschland auch vom Internationalen Büro unterstützt.