Westlicher Balkan

Die Integration der Westlichen Balkanländer (WBC) in den Europäischen Forschungsraum (EFR) und die Förderung interregionaler Forschungszusammenarbeit als Beitrag zum Stabilisierungs- und Assoziierungsprozesses (SAP) sind von zentraler forschungspolitischer Bedeutung sowohl für die Region als auch für die Europäische Union.

Blick auf eine Stadt von oben

© Internationales Büro/Ralf Hanatschek

Förderung der Zusammenarbeit

Die Kooperation mit Partnern aus den offiziellen EU-Beitrittskandidaten Albanien, Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro und Serbien wurde auch im Rahmen der Bekanntmachung des Bundesministeriums für Forschung und Bildung (BMBF) vom 15. Dezember 2004 „Auf- und Ausbau gemeinsamer Forschungsstrukturen in Europa“ gefördert. Die Förderbekanntmachung zielte darauf ab, deutsche Partner dabei zu unterstützen, Wissens- und Innovationspotenzialen in weniger forschungsintensiven Regionen in Europa zu erschließen und eine führende Rolle in der Kooperation mit Partnern aus den Zielregionen einzunehmen. Gleichzeitig wurde damit deren Anschlussfähigkeit an den Europäischen Forschungsraum gefördert und die Innovationslücke innerhalb Europas verringert.

Am 3. November 2014 hat das BMBF die Bekanntmachung „Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittelost- und Südosteuropa“ (MOEL-SOEL-Bekanntmachung) veröffentlicht. Mit diesem BMBF-Programm werden Finanzmittel für Vorhaben bereitgestellt, um die Vorbereitung und Antragstellung von Projekten zu thematischen Prioritäten des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020 sowie zu anderen forschungsrelevanten EU-Programmen zu fördern. Im Kontext dieser Bekanntmachung wird auch die Kooperation mit allen Ländern des Westlichen Balkans gefördert.

Mit der Abwicklung der Fördermaßnahmen hat das BMBF derzeit das Internationale Büro im DLR Projektträger beauftragt.

Politischer Rahmen

Zu den Ländern des Westlichen Balkans gehören Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Kroatien, die Ehemalige Jugoslawische Republik (EJR) Mazedonien, Montenegro und Serbien.

Mit Kroatien ist am 01. Juli 2013 der 28. Staat zur Europäischen Union beigetreten. Während die EJR Mazedonien, Montenegro, Serbien und Albanien bereits den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten besitzen, sind Bosnien und Herzegowina und der Kosovo erst potenzielle Beitrittskandidaten.

Im Rahmen der österreichischen Ratspräsidentschaft wurde 2006 mit der Einrichtung der "Steering Platform on Research for the Western Balkan countries" eine wichtige Stärkung des Politikdialogs im Bereich Wissenschaft und Technologie zwischen der Europäischen Kommission, den Mitgliedsstaaten und assoziierten Staaten und den Westbalkanländern erreicht. Diese Initiative findet kontinuierlich mindestens einmal im Jahr statt.

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Das BMBF ist seit Jahren verlässlicher (Förder-)Partner im Bereich der Forschung, Entwicklung und Innovation (FuEuI) für deutsche Forschungseinrichtungen, die mit Partnern in den WBC kooperieren. Weiterhin engagierte sich das BMBF – und in dessen Auftrag auch das Internationale Büro beim DLR Projektträger - in einer Reihe von europäischen Maßnahmen, die der Stärkung der Region dienten:

SEE-ERA.NET

Die Verbesserung der Integration der Westlichen Balkanländer in den Europäischen Forschungsraum (EFR) war das Ziel des von der EU geförderten Netzwerkprojekts SOUTHEAST-EUROPEAN ERA-NET (SEE-ERA.Net). Durch die Verknüpfung der jeweiligen Aktivitäten Deutschlands und seiner 13 Partnerländer im Rahmen der bestehenden nationalen, bilateralen und regionalen Forschungsprogramme mit spezieller Ausrichtung auf Südosteuropa konnten hier wichtige Meilensteine wie die Durchführung einer gemeinsamen Pilotausschreibung für Netzwerk- und Forschungsprojekte gesetzt werden. Ein Meilenstein ist auch das unter deutscher Federführung erarbeitete „White Paper“, in dem politische Strategien und Empfehlungen für die künftige Zusammenarbeit mit den Westlichen Balkanländern definiert wurden. Ein wichtiger Effekt dieses EU Projekts war auch die Einbindung der zu diesem Zeitpunkt noch neuen EU-Länder Bulgarien und Rumänien in die überregionale FuE-Kooperation mit dem westlichen Balkan. Alle Länder des westlichen Balkans waren an SEE-ERA.NET beteiligt. Das Projekt hatte eine Laufzeit von fünf Jahren und endete im August 2009.

SEE-ERA.NET PLUS

Zentrale Aufgabe des SOUTHEAST-EUROPEAN ERA-NET PLUS (SEE-ERA.NET PLUS) war die Durchführung einer gemeinsamen Ausschreibung für "Joint European Research Projects" (JERP). Aufbauend auf den Erfahrungen und Ergebnissen des Projekts SEE-ERA.NET wurd e hiermit die weitere Integration der südosteuropäischen Länder, insbesondere der Länder des westlichen Balkans, in den Europäischen Forschungsraum (EFR) vorangetrieben. Die gemeinsame Ausschreibung wurde am 1. September 2009 veröffentlicht. Neben Deutschland beteiligten sich auch Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Frankreich, Griechenland, Kroatien, Montenegro, Österreich, Rumänien, Serbien, Slowenien und die Türkei an der Ausschreibung. Insgesamt 23 transnationale Forschungsprojekte mit einem Budget von rund 2,8 Millionen Euro konnten aus dem gemeinsamen Fördertopf unterstützt werden. Das Projekt endete im Juli 2013.

WBC-INCO.NET

Das WBC-INCO.NET (INCO-NET Westlicher Balkan) war ein europäisches Netzwerkprojekt für den bi-regionalen forschungspolitischen Dialog zwischen der EU, den an das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm assoziierten Staaten und den westlichen Balkanländern. Es unterstützte die "Steering Platform on Research for the Western Balkan Countries". Ziel war es, die Teilnahme von Forschenden der Zielregion in Europäischen FuE-Projekten zu verbessern. Das Konsortium des WBC.INCO.NET enhanced wurde von 29 Partnern aus 16 Ländern gebildet, darunter die Forschungsministerien von Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Kroatien, der EJR Mazedonien, Montenegro, Österreich, Serbien, Slowenien und der Türkei. Ferner nehmen zahlreiche Forschungseinrichtungen und -agenturen teil. Das Projekt begann im Januar 2008 und lief bis Ende April 2014.