| von Sarah Kraus

UNESCO – Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Die UNESCO hat als Sonderorganisation innerhalb der VN-Familie die Aufgabe, durch Förderung der internationalen Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation zur Erhaltung des Friedens und der Sicherheit beizutragen. Im Jahr 2015 feierte die UNESCO ihren 70. Geburtstag – ihr gehören 195 (Stand 12/2015) Mitgliedsstaaten an; Deutschland zählt seit 1951 dazu.

UNESCO-Logo

Aktuelle Entwicklung

Wichtige Ergebnisse der 38. UNESCO-Generalkonferenz im November 2015 in Paris:

  • Die UNESCO ist mit der Koordination der Umsetzung und dem Monitoring der Bildungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen betraut worden. Die Mehrheit der Mitgliedstaaten, so auch Deutschland, lobten auf der 38. Generalkonferenz das Engagement der UNESCO für die Erreichung der gesteckten Ziele der Globalen Bildungsagenda 2030. Zur erfolgreichen Erreichung der Ziele wurde im Rahmen eines High-Level Meeting ein Aktionsrahmen verabschiedet, der festlegt, wie das globale Nachhaltigkeitsziel einer inklusiven, chancengerechten und hochwertigen Bildung für alle Menschen weltweit bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden soll.
  • Die überarbeitete UNESCO-Empfehlung zur beruflichen Bildung von 2001 wurde von einer großen Mehrheit der Mitgliedstaaten sehr begrüßt. Die verabschiedete Empfehlung zur beruflichen Bildung trägt eine deutliche Handschrift seitens Deutschlands.
  • Ebenso wurde die Empfehlung zur Erwachsenenbildung aus dem Jahr 1976 überarbeitet. Der Überarbeitungsprozess wurde vom UNESCO-Institut für lebenslanges Lernen in Hamburg geleitet. Der Verabschiedung der überarbeiteten Empfehlung wurde von Deutschland und einer großen Mehrheit der Mitgliedstaaten zugestimmt.
  • Im Rahmen der 38. Generalkonferenz wurde das UNESCO-Geopark Programm, UNESCO Global Geoparks, beschlossen.
  • Der vorläufige Bericht über die geplante globale Konvention zur Anerkennung von Hochschulqualifikationen erhielt breite Unterstützung. Es ist nun zusätzlich ein (provisorischer) Zeitplan für die mögliche Erstellung bzw. Verabschiedung der Konvention ab 2017 geplant.
  • Deutschland wurde in den Zwischenstaatlichen Rat des Internationalen Hydrologischen Programms („Intergovernmental Council for the International Hydrological Programme“ (IHP)) für vier Jahre gewählt. Herr Johannes Cullmann, Direktor des IHP-Sekretariats an der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz, ist stellvertretender Vorsitzender des Rats.

UNESCO-Botschafter, Dr. Michael Worbs, ständiger Vertreter Deutschlands bei der UNESCO, wurde bei der 198. Sitzung des UNESCO-Exekutivrats (November 2015) als Vorsitzender des Exekutivrats gewählt. Botschafter Worbs wird das zweithöchste Gremium der UNESCO bis 2017 leiten und somit die UNESCO-Arbeit nachhaltig mitgestalten.

Langfristige Aufgaben

Bildung

Bildung stellt für die UNESCO die Basis für Entwicklung und Frieden dar. Im VN-System hat die UNESCO deshalb die Federführung für die Koordinierung der Umsetzung und das Monitoring der Globalen Bildungsagenda 2030, die Teil der nachhaltigen Entwicklungsziele ist. Im November 2015 verabschiedeten die UNESCO-Mitgliedstaaten den "Aktionsrahmen für Bildung 2016-2030", der Maßnahmen zur Erreichung der Bildungsziele enthält. Alle Maßnahmen beziehen sich auf die Aspekte Qualität und Chancengerechtigkeit.

Acht UNESCO-Lehrstühle in Deutschland sind Teil eines weltweiten Netzwerks zur Hochschulkooperation (UNITWIN), in dem derzeit über 600 UNESCO-Lehrstühle in über 120 Ländern kooperieren.

In Deutschland sind zwei Bildungseinrichtungen der UNESCO ansässig:

Seit 1951 ist das UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen (vormals UNESCO-Institut für Pädagogik (UIP)) in Hamburg angesiedelt. Das Institut trägt zur Umsetzung des UNESCO-Programms "Bildung für alle" und der VN-Weltdekade der Alphabetisierung bei. Es beschäftigt sich mit der Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen.

Das Internationale UNESCO-Zentrum für Berufsbildung (UNEVOC) arbeitet seit dem Jahr 2000 mit Unterstützung der Bundesregierung in Bonn. Ziel des Instituts ist es, weltweit die Entwicklung von Berufsbildungssystemen zu unterstützen und die regionale und internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zu fördern. Zu seinem weltweiten Netzwerk zählt neben dem Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn seit 2010 auch das UNEVOC-Zentrum Magdeburg "Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung".

Wissenschaft

In den wissenschaftlichen Arbeitsbereichen fördert die UNESCO – insbesondere in den Entwicklungsländern den Auf- und Ausbau wissenschaftlicher Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie internationaler Netzwerke für wissenschaftliche und technische Grundlagenforschung.

Wegen der hohen Geschwindigkeit des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts in den Lebenswissenschaften besteht heute ein enormer Bedarf an internationaler Abstimmung über Werte und Normen auf diesem Feld. Deutschland wirkt deshalb in zahlreichen Forschungsprojekten, Ausschüssen und Kommissionen (bspw. zwischenstaatlicher Ausschuss des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“, „Zwischenstaatlicher Ausschuss für Bioethik“) am Wissenschaftsprogramm der UNESCO mit.

Die UNESCO unterstützt mit zahlreichen langfristigen wissenschaftlichen Programmen die Erforschung und den Schutz der Lebensumwelt des Menschen u. a. mit dem Programm „Der Mensch und die Biosphäre“. Die Vereinten Nationen verliehen den Biosphärenreservaten zusätzlich Gewicht, indem sie die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade der Biodiversität erklärten.

Weitere internationale Zusammenarbeit in der Umweltforschung erfolgt durch die „Zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission“ zur Meeresforschung, durch das „Internationale Geologische Korrelationsprogramm“ zur Erforschung erdgeschichtlicher Vorgänge sowie durch das „Internationale Hydrologische Korrelationsprogramm“ zur Erforschung des Wasserkreislaufs und zur vernünftigen Bewirtschaftung von Wasservorräten.

Seit 2004 existiert das „Internationale grundlagenwissenschaftliche Programm“, bei dem Bereiche wie Chemie, Physik, Mathematik und bestimmte Ingenieurwissenschaften abgedeckt werden, die nicht in die Zuständigkeitsbereiche anderer VN-Organisationen fallen.

Außerdem fördert die UNESCO durch das „Programm zur Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels“ interregional vernetzte und vergleichbare sozialwissenschaftliche Forschungsvorhaben u. a. zu Fragen der Verstädterung, des Zusammenlebens in kultureller Vielfalt und der Migration.

Kultur

Die UNESCO ist im VN-System die einzige Fachorganisation mit Kulturkompetenz. Schutz und Erhaltung des kulturellen Erbes, Bewahrung und Förderung der kulturellen Vielfalt und der Dialog zwischen den Kulturen sind ihre Hauptaufgaben.

Das Programm zum Erhalt des Kultur- und Naturerbes der Welt ist das bekannteste aller UNESCO-Programme. Die von der UNESCO geführte Liste des Welterbes umfasst aktuell 1.031 Denkmäler in 163 Ländern, darunter 40 aus Deutschland. Das 2003 verabschiedete UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des immateriellen Kulturerbes trat 2006 in Kraft. Damit werden die langjährigen UNESCO-Aktivitäten zur Inventarisierung, Sammlung und Revitalisierung kultureller Traditionen, Fertigkeiten und vom Aussterben bedrohter Sprachen künftig in völkerrechtlich verbindlichem Rahmen fortgesetzt.

Kommunikation

Zugang zu Information und Wissen für alle, Einsatz von Informationstechnologie als Entwicklungsfaktor und Förderung der Pressefreiheit - das sind die Ziele des Kommunikationsprogramms der UNESCO. Sie wendet ihr Augenmerk verstärkt auf die Folgen der rasanten Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien.

Das Programm "Memory of the World" (Gedächtnis der Menschheit), will dokumentarisches Erbe schützen und zugänglich machen. Das Memory-of-the-World Register umfasst nahezu 350 Eintragungen, darunter 22 aus Deutschland (z. B. Beethovens 9. Sinfonie oder seit 2009 das Nibelungenlied).

Im Rahmen ihres Kommunikationsprogramms unterstützt die UNESCO den Aufbau moderner Wissensgesellschaften ("Knowledge Societies"), in denen die Meinungsfreiheit und der gleichberechtigte Zugang zu Information und Wissen ebenso verwirklicht sind wie Bildung für alle und kulturelle Vielfalt.

Im Rahmen des Programms "Information für alle" bemüht sich die UNESCO um die Verbesserung des internationalen Informationsaustausches (Datenbanken, Bibliotheken, Archive). In jüngerer Zeit sind die Programme der Organisation verstärkt auf die Folgeprobleme der neueren Medientechnologie gerichtet.

Struktur

Die Organe der UNESCO sind die Generalkonferenz (Mitgliederversammlung alle zwei Jahre), der Exekutivrat mit 58 Mitgliedern und die Generaldirektorin. Die fachliche Beratung der Programme erfolgt durch wissenschaftliche Ausschüsse und zwischenstaatliche oder internationale Räte.

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat als Mittlerorganisation der auswärtigen Kulturpolitik die Aufgabe, die Bundesregierung und die übrigen zuständigen Stellen zu beraten, an der Verwirklichung des UNESCO-Programms in Deutschland mitzuarbeiten, die Öffentlichkeit darüber zu informieren und Fachorganisationen, Institutionen und Experten mit der UNESCO in Verbindung zu bringen.

Haushalt

Der reguläre Haushalt der UNESCO wird aus den direkten Beiträgen der Mitgliedsländer aufgebracht. Er beträgt für die Jahre 2016 und 2017 zusammen insgesamt 667 Millionen US-Dollar. Angesichts der absehbar ausbleibenden US-Zahlungen verabschiedete die Generalkonferenz neben dem offiziellen Haushalt einen sogenannten Ausgabenplan. Dieser Plan umfasst eine Gesamtsumme von 518 Millionen US-Dollar für 2016/17: 124 Millionen US-Dollar entfallen auf das Bildungsprogramm, 102 Millionen US-Dollar auf das Wissenschaftsprogramm, davon 67 Millionen auf die Naturwissenschaften und 35 Millionen auf die Sozial- und Humanwissenschaften. Für das Kulturprogramm stehen 57 Millionen und für das Kommunikationsprogramm 34 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Zusätzlich stehen extrabudgetäre Mittel zur Verfügung, die aus freiwilligen Beiträgen einzelner Mitgliedsstaaten stammen.

Anschrift

UNESCO
7, place de Fontenoy
F-75352 Paris 07 SP
Tel.: 00 33 1 - 45 68 10 00
Fax: 00 33 1 - 45 67 19 00
Internet: http://www.unesco.org/

Deutsche UNESCO Kommission (DUK)
Colmantstraße 15
D-53115 Bonn
Internet: http://www.unesco.de/