Chile

Chile baut in den kommenden Jahren seinen Rohstoffsektor weiter aus. Im Januar 2013 haben Deutschland und Chile deshalb eine Rohstoffpartnerschaft geschlossen. Das südamerikanische Land ist somit potenzielles Zielland von BMBF-Fördermaßnahmen im Bereich „Wirtschaftsstrategischer Rohstoffe“. Das südamerikanische Land besitzt ein großes Potenzial an hochqualifizierten Wissenschaftlern und verfügt über sehr gute Forschungseinrichtungen.

Molybdän-Abbau in Chile

Optimierung der Gewinnung von Molybdän in chilenischer Kupferminen © Helmholtz-Institut für Ressourcenforschung in Freiberg

Förderungsmöglichkeiten für Chile

Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung wird der Wissenschaftleraustausch in Kooperationsprojekten zwischen Deutschland und Chile durch verschiedene Förderinstrumente unterstützt.

Informationen zur Deutsch-Chilenischen Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) finden Sie hier.

Die Bekannmachung "Richtlinie zur Förderung von Antragstellungen im Rahmen des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020 mit Partnern aus Nord- und Südamerika" ist noch bis zum 20. Dezember 2017 geöffnet.

Politischer Rahmen

Chile, seit Mai 2010 OECD-Mitglied, ist eines der wirtschaftlich prosperierendsten und politisch stabilsten Länder in Lateinamerika. Die chilenische Wirtschaft weist starke Wachstumsraten auf, die von der Inlandsnachfrage und den hohen Kupferpreisen getragen werden. Chile besitzt circa 40 Prozent der weltweit existierenden Kupfervorkommen. Die Präsidentin, Michelle Bachelet, hat im Mai 2014 einen Gesetzesentwurf unterzeichnet, der einen historischen Kurswechsel in der Bildungspolitik einleitet. Dieser beinhaltet grundlegende Reformen in der Schulbildung sowie im Hochschulsektor.

Grundlage der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Chile ist das am 1. Oktober 2012 unterzeichnete neue bilaterale WTZ-Abkommen. Das Abkommen ersetzt das am 28. August 1970 geschlossene Regierungsabkommen. Es soll den veränderten politischen Rahmenbedingungen, vor allem der demokratischen Entwicklung in Chile Rechnung tragen sowie die Entwicklungen der bilateralen WTZ der letzten 40 Jahre reflektieren.

Die Forschungspolitik wird auf chilenischer Seite vom Nationalen Rat für wissenschaftliche Forschung und Technologie CONICYT (Comisión Nacional de Investigación Científica y Tecnológica) umgesetzt. CONICYT ist der wichtigste fachliche Partner, vor allem in der Gegenfinanzierung der bilateralen Projekte. Auf deutscher Seite ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für die WTZ mit Chile zuständig. Es wird dabei vom Projektträger im DLR, Internationales Büro (IB) unterstützt.

Die chilenische Regierung hat die begonnene Politik zur Förderung der chilenischen Forschung fortgesetzt. Staatspräsidentin Bachelet hat neben den Bildungsreformen eine Ausweitung der Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung in ihrem Regierungsprogramm vorgesehen, um so die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhöhen. Wichtiger Bestandteil der Strategie zur Förderung der angewandten Forschung und Innovation ist der Aufbau von "Internationalen Exzellenzzentren für Innovation".

Schwerpunkte der deutsch-chilenischen Zusammenarbeit

Sowohl der Blick in das Weltall als auch die Erforschung des antarktischen Kontinents findet im Verbund mit internationalen Partnern von Chile aus statt. Leistungsfähige Großgeräte wie Teleskope und Forschungssatelliten bringen wichtige Forschungsergebnisse auf einige der drängendsten Fragen der Astrophysik. Das BMBF beteiligt sich an den Standorten der Europäischen Südsternwarte (ESO) mit 22 Prozent an der institutionellen Förderung.

Auf den Kommissionssitzungen legt das BMBF im Dialog mit dem chilenischen Außenministerium (MINREL) gemeinsam mit dem Bildungsministerium (MINEDUC) und dem Nationalen Forschungsrat (CONICYT) die Schwerpunktthemen für die Kooperation fest. Die WTZ mit Chile konzentriert sich auf die Bereiche Meeres- und Polarforschung, Bergbau und Rohstoffgewinnung, Biotechnologie, grundlagenorientierte Forschung zu erneuerbaren Energien, Umweltwissenschaften und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen sowie auf die Zusammenarbeit in der Hochschul- und beruflichen Bildung.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Katastrophen rechtzeitig erkennen

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterhält mit Unterstützung des BMBF eine Forschungskooperation mit Chile im Kontext der „Multi-Hazard Informations- und Frühwarnsystem“. Das System integriert terrestrische Beobachtungsnetze der Seismologie und Geodäsie mit marinen Messverfahren und Satellitenbeobachtungen. Hauptpartner auf chilenischer Seite ist das Exzellenzzentrum für Naturgefahren „National Research Center for Integrated Natural Disasters Management – CIGIDEN“, bestehend aus vier chilenischen Universitäten. Dieses System soll in Kooperation mit weiteren Einrichtungen wie der SHOA (Hydrographischer Dienst der Marine) und ONEMI (Chilenischer Zivilschutz) auf Chile übertragen werden. Da das System auch für andere Katastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbruch, Überschwemmungen, Feuer und Erdrutsche ausgebaut werden soll, sind weitere Forschungen nötig. Hintergrund für das Projekt ist der große Tsunami von 2010 in Chile.

Tsunami-Frühwarncenter Chile Tsunami-Frühwarncenter Führung
DLR-Projekt „Multi-Hazard-Frühwarnsystem mit Chile“. Projektteilnehmer im Frühwarnzentrum der Shoa (Hydrografischer Dienst der chilenischen Armee)

Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) unterhalten seit 1991 die deutsche Forschungsstation GARS (German Antarctic Receiving Station) neben der chilenischen Base General Bernado O'Higgins in der Antarktis. Die Station empfängt die Daten von Erderkundungssatelliten sowie von Radiosternen und zeichnet die Daten auf Speichermedien auf, die zur Auswertung nach Deutschland gesendet werden und auch für das Frühwarnsystem von Bedeutung sind.

Nachhaltiger Umgang mit Rohstoffen

Auf Grund des zukünftigen Ausbaus des Rohstoffsektors werden gemeinsame Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet weiter ausgebaut. Im Rahmen des CLIENT-Programms des BMBF führt die TU Bergakademie Freiberg ein Forschungsprojekt zum Thema „Secondary Mining“ in Nord-Chile durch. Es wird untersucht, ob aus chilenischen Bergbaualtlagerungen noch wichtige Rohstoffe gewonnen werden können sowie eine Möglichkeit einer umweltschonenden Lagerung der Restmaterialien.

Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) entwickelt zusammen mit dem chilenischen Industriepartner IM2 (Tochterfirma des staatlichen Kupferkonzerns Codelco) eine Gewinnungsstrategie zum verbesserten Ausbringen von Molybdänit als Koppelprodukt von Kupfererzen in Chile. Das Projekt „Opti-Moly“ wird durch das BMBF gefördert.

Unter dem Dach von Fraunhofer Chile Research (FCR) ist 2015 das neue Exzellenzzentrum „Center for Solar Energy Technologies (CSET)“ mit Unterstützung der chilenischen Wirtschaftsförderbehörde CORFO gegründet worden. Es handelt sich um eine Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Es soll vor allem Solartechnologien im Norden Chiles durch die Konstruktion von verschiedenen Pilotanlagen erprobt werden. Das Fraunhofer CSET will damit zur Generierung von Innovationen, zur Etablierung einer chilenischen Solarwirtschaft sowie zur umfassenden Implementierung der Solarenergie in den wichtigsten Industriesektoren Chiles beitragen. Fraunhofer Chile Research (FCR) wurde 2010 gegründet und ist das erste internationale Exzellenzzentrum der FhG in der südlichen Hemisphäre.

Förderung der Zusammenarbeit mit Chile

Zur Unterstützung der Vernetzung werden jährliche Förderbekanntmachungen von Projektträger -Internationales Büro mit dem chilenischen Partner CONICYT veröffentlicht. Die Förderung ermöglicht es Forschergruppen aus Deutschland und Chile, in gemeinsamen Projekten zusammenzuarbeiten und Forschungsphasen im jeweils anderen Land zu realisieren.

Außerdem werden von Seiten des für die Zusammenarbeit mit Chile zuständigen Länderreferats Mittel für Anbahnungsaktivitäten, Workshops, den Wissenschaftleraustausch und für die Nachwuchsförderung aufgewendet. Maßnahmen zur Werbung für den Studien- und Forschungsstandort Deutschland gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Aus den Fachprogrammen des BMBF werden zudem weitere Forschungsvorhaben gefördert. Auch DAAD und DFG haben spezifische Förderprogramme mit chilenischen Partnern.

Die Rolle des Internationalen Büros

Die bilaterale Kooperation der Regierungen sowie der Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen wird in Deutschland auch vom Internationalen Büro (IB) unterstützt.