Australien

Australien verfügt als Industrieland über eine gut entwickelte und breit aufgestellte Wissenschaftslandschaft. Oberstes forschungspolitisches Ziel der australischen Regierung ist eine engere Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen Forschungseinrichtungen und der Industrie. Die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung entwickelt sich insgesamt sehr positiv.

Ansicht von Sydney - Australien

© Internationales Büro/Hans-Jörg Stähle

Fördermöglichkeiten

Grundsätzlich können auf Antrag Zuschüsse im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und Australien gewährt werden zur Unterstützung der Kontaktanbahnung, Entwicklung prioritärer internationaler Forschungsprojekte und Flankierung internationaler Projekte in prioritären Bereichen.

In der Regel wird die Unterstützung in Form von Mobilitäts- und in besonderen Fällen Sachbeihilfen gewährt. Dabei werden von Seiten des Internationalen Büros (IB) die Reise- und Aufenthaltskosten von deutschen Projektteilnehmern nach und in Australien bezuschusst. Anträge für Mobilitätsprojekte können nur nach vorheriger Ausschreibung zu einem Termin eingereicht werden. Diese Ausschreibungen finden nicht regelmäßig statt. Der förmliche Antrag ist gemeinsam mit dem ausländischen Partner parallel im IB und bei der zuständigen Stelle des Partnerlandes einzureichen.

Die Bekannmachung "Richtlinie zur Förderung von Vernetzungs- und Sondierungsreisen deutscher Hochschulen und Forschungseinrichtungen ("Travelling Conferences") zum Aufbau von Kooperationen mit Partnern in China, Südkorea, Australien, Neuseeland und Südostasien" ist noch bis zum 31. März 2017 geöffnet.

Politischer Rahmen

Die historisch begründete große Bedeutung der europäischen Dimension für die australische Bildungs- und Forschungslandschaft führte dazu, dass Australien 1994 als erstes Land ein Wissenschafts- und Technologieabkommen mit der Europäischen Union unterzeichnete. Die deutsch-australische Zusammenarbeit wiederum geht auf ein Regierungsabkommen zurück, das bereits 1974 abgeschlossen wurde.

Im Bildungsbereich wird dieses durch ein Abkommen zwischen der Alexander-von-Humboldt Stiftung (AvH) und dem Australian Research Council (ARC) ergänzt. Weitere Abkommen bestehen zwischen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Australian Research Council (ARC) sowie dem Australian National Health and Medical Research Council (NHMRC).

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Die Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit mit Australien umfasst drei komplementäre Bereiche:

  • Austausch von Studierenden und jungen Wissenschaftlern über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der den Humus für Projekte und langfristige Kooperationen bildet.
  • "Mobilitätsprojekte" des Internationalen Büros sowie des DAAD ("Programme des projektbezogenen Personenaustauschs (PPP)") zur Anbahnung und Vorbereitung gemeinsamer Forschungsprojekte: Workshops, Konferenzen und gegenseitige Fachdelegationsbesuche.

Im Zentrum der Zusammenarbeit stehen bilaterale Forschungskooperationen in den Bereichen

  • Umweltforschung und -technologien
  • Meeres- und Antarktisforschung
  • Gesundheitsforschung
  • Erneuerbare Energien
  • Rohstoffsicherheit

Insbesondere sollen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern stärker gefördert werden.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Im Dezember 2014 reiste eine Delegation unter Leitung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) nach Australien, um Gespräche zur weiteren Ausgestaltung der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zu führen. Ein künftiger Schwerpunkt der Zusammenarbeit soll im Bereich Innovation liegen, zum Beispiel in der Zusammenarbeit deutscher Forschungscluster mit entsprechenden australischen Pendants. Die Einbindung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern ist für beide Seiten von großer Bedeutung.

Erfolgreiche Hochschulzusammenarbeit

Ein wichtiger Baustein der deutsch-australischen Zusammenarbeit ist die Hochschulkooperation. Laut Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) existieren zurzeit 521 Kooperationsabkommen (Stand März 2015) zwischen deutschen und australischen Universitäten. Im asiatisch-pazifischen Raum unterhalten deutsche Universitäten nur mit China und Japan mehr Kooperationsabkommen.

Wichtigstes Instrument der bilateralen Hochschulzusammenarbeit ist der Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern, dessen finanzielle Förderung in erster Linie durch den Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) erfolgt. Der DAAD konnte das 2008 gestartete Austauschprogramm mit der Group of Eight, den acht wichtigsten australischen Universitäten, durch eine im Dezember 2014 unterzeichnete Vereinbarung mit Universities Australia, der Dachorganisation der australischen Universitäten, mittlerweile auf mehr als 30 der insgesamt 39 australischen Universitäten ausdehnen.

Australische Wissenschaftler zählen zu den erfolgreichsten Antragstellern für die Programme der Alexander von Humboldt-Stiftung. 2014 hat die Stiftung 27 Forschungsstipendien und zwei Forschungspreise an australische Wissenschaftler vergeben.

Im Rahmen des BMBF-geförderten Programms „Deutsche Forschungspräsenz in Asien“ haben die TU Braunschweig und die University of New South Wales in Sydney seit 2009 eine deutsch-australische Forschergruppe aufgebaut, die mit einem multidisziplinären Team im Bereich „Nachhaltige Produktion und Life Cycle Management“ Wissen und technische Lösungen entlang des gesamten Produktkreislaufs erarbeitet.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit Ende 2012 das erste deutsch-australische Graduiertenkolleg mit dem Thema „Molekulare Pathogenese männlicher Reproduktionsstörungen“ zwischen der Universität Gießen und der Monash University in Melbourne. In diesem Programm forschen Doktoranden auch über einen längeren Zeitraum beim ausländischen Partner. Weitere Vorhaben dieser Art sind in Vorbereitung.

Rolle des Internationalen Büros

Neben dem im Rahmen des BMBF-geförderten Programms „Deutsche Forschungspräsenz in Asien“ unterstützten Projekts der TU Braunschweig mit der University of New South Wales in Sydney fördert das IB zwei weitere Projekte mit Australien in diesem Programm zwischen der TU Dresden und der University of Adelaide im Bereich der Translationalen Medizin sowie zwischen der Universität Mannheim und der Queensland University of Technology im Bereich der Wirtschaftsinformatik.

Multilaterale Zusammenarbeit

Connecting Australian-European Science and Innovation Excellence (CAESIE) ist ein bilaterales Partnerschaftsprojekt zwischen der EU und Australien. Das Ziel des von der EU-Kommission unterstützten Projektes ist die Förderung und Entwicklung der Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technologie und Innovation. CAESIE fokussiert speziell auf die Kooperation zwischen KMUs und Wissenschaftlern, welche gemeinsam Beiträge zur Lösung der folgenden gesellschaftlichen Herausforderungen erarbeiten sollen: Saubere Energie, Gesundheitstechnologien für die alternde Gesellschaft und nachhaltige Stadtentwicklung.

Das Projekt wird vom DLR Projektträger, einem Teil des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, koordiniert. Australische Partner sind das Department of Industry & Science (DIS), die Australian Industrial Research Group (AIRG) und die Australian Academy of Technological Sciences and Engineering (ATSE). Weitere europäische Partner sind die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) und das Technical Research Centre of Finland (VTT). CAESIE wird von acht Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft beraten. Das BMBF und die FhG sind in diesem Gremium vertreten.