Republik Korea (Südkorea)

Südkorea hat in den letzten 60 Jahren eine rasante Entwicklung vom Agrar- zum Industriestaat durchgemacht und ist durch seine Investitionen in Forschung und Entwicklung mittlerweile eines der führenden Länder in der OECD. Dieser Fortschritt führt zu einer immer vielseitigeren Kooperationslandschaft zwischen deutschen und koreanischen Forschungseinrichtungen.

Koreanische Forscherin

© Getty

Fördermöglichkeiten

Mobilitätsmaßnahmen

Im Auftrag des BMBF fördert das Internationale Büro bilaterale Mobilitätsprogramme mit der Republik Korea (Südkorea). Aussicht auf Förderung haben insbesondere Anträge, die neben Forschungseinrichtungen auch gewerbliche Partner einbeziehen und die eine Folgeförderung in einem BMBF-Fachprogramm oder im europäischen Rahmen anstreben.

Strukturelle Hochschulpartnerschaften

Seit 2009 fördert das BMBF mit bisher vier Bekanntmachungen strukturelle Partnerschaften deutscher Hochschulen zur Etablierung gemeinsamer Forschungsstrukturen in Asien (APRA-Bekanntmachung: Asian-Pacific Research Area) mit ca. 2 Mio. Euro pro Jahr. Inzwischen konnten mit diesem Programm mehr als 20 gemeinsame Forschungsplattformen mit Spitzeninstituten in ganz Asien aufgebaut werden. Seit Anfang 2013 werden 3 Vorhaben bilateral mit der Republik Korea gefördert. Im Januar 2012 wurde dazu die erste bilaterale Bekanntmachung zur Unterstützung deutscher Hochschulen zum Aufbau einer strukturellen Kooperation mit Hochschulen in Korea veröffentlicht. Diese bilaterale Fördermaßnahme baute auf der bestehenden unilateralen APRA-Bekanntmachung auf.

Allgemeine Entwicklung

Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Südkoreas in den vergangenen Jahrzehnten ging eine rasche Entwicklung der koreanischen FuE-Landschaft einher. Durch kontinuierlich steigende Investitionen (Anteil der Bruttoinlandsaufwendungen für Forschung und Entwicklung von über 4 %) ist Südkorea inzwischen im OECD-Vergleich an der Spitze der forschungsstarken Länder angelangt und setzt den Ausbau seiner FuE-Landschaft weiter fort. Die Attraktivität koreanischer Forschungseinrichtungen als Kooperationspartner für deutsche Forscher hat durch die stetige Weiterentwicklung stark zugenommen.

Forschung und Entwicklung (FuE) war in Südkorea in der Vergangenheit vor allem anwendungsorientiert und hat in Bereichen wie z.B. der Informations- und Kommunikationstechnologie eine hohe Leistungsfähigkeit erreicht. Die Internationalisierung der koreanischen FuE-Landschaft nimmt einen hohen Stellenwert in der koreanischen Innovationspolitik ein, da diese als notwendige Voraussetzung für den Anschluss an die internationale Spitzenforschung gesehen wird. Neben dem Ausbau bestehender bilateraler Kooperationen mit strategisch wichtigen Partnern gehörte auch die verstärkte Beteiligung an multilateralen Institutionen und Forschungsvorhaben dazu.

Ein vergleichsweise neuer Schwerpunkt ist die Grundlagenforschung. Die Forschungszentren des 2012 gegründeten „Institute of Basic Science“ sollen nach dem Vorbild der Max-Planck-Gesellschaft und dem japanischen Forschungsinstitut RIKEN Arbeitsstätte von Spitzenforschern aus aller Welt werden und einen Beitrag zur Entwicklung Südkoreas von einem „Fast Follower“ zu einem „First Mover“ leisten.

Industrielle Forschung und Entwicklung in Südkorea ist nach wie vor durch die „Chaebol“, große Industriekonglomerate wie Samsung und LG, geprägt. Die vergleichsweise geringe Anzahl von für die wirtschaftliche Entwicklung wichtigen innovativen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sieht Südkorea seit einigen Jahren als Schwäche, der mit Nachdruck entgegen gearbeitet werden soll. Das deutsche Innovationssystem wird in Südkorea dabei oft als Vorbild genannt.

Für deutsche Unternehmen bieten sich Chancen vor allem in technologieintensiven Bereichen wie beispielsweise Elektronik, Automobil- und Schiffsbau, Medizintechnik, Biotechnologie und Umwelttechnologie, Anlagenbau und in der chemischen Industrie. Eine Forschungskooperation kann deutschen Anbietern in diesen Bereichen den Markteinstieg erleichtern. Auch als Standort für Forschungszentren hat Südkorea an Attraktivität gewonnen.

Die besondere Stellung Deutschlands für die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern zeigt sich u.a. darin, dass das Korean Institute of Science and Technology (KIST) mit der Niederlassung KIST-Europe seit 1996 ein eigenes Forschungsinstitut nach deutschem Recht in Deutschland betreibt. Südkoreaner stellen zudem relativ zur Bevölkerung die größte Gruppe asiatischer Studierender in Deutschland. Allein im vergangenen Jahr waren es weit über 5.000 Studienanfänger und postgraduierte Nachwuchswissenschaftler aus Korea, die an deutschen Universitäten lernten und forschten.

Politischer Rahmen

Grundlage für die bilaterale Zusammenarbeit ist das Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Korea über wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit vom 11. April 1986 (BGBI 1986 II 928). Nachfolgend wurden zahlreiche Einzelvereinbarungen zwischen Hochschulen sowie Forschungs- und Forschungsförderinstitutionen beider Länder geschlossen.

Seit dem Dezember 2007 wird die bilaterale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung auf Regierungsebene vom "Korean-German Cooperation Committee on Science & Industrial Technology" (KGCCSIT) koordiniert. Dieser Ausschuss ist aus den erfolgreichen Aktivitäten zweier von Forschungsorganisationen geleiteter Komitees hervorgegangen und soll die Zusammenarbeit weiter ausbauen. Er wird unter Beteiligung zahlreicher Forschungs- und Mittlerorganisationen auf deutscher Seite vom BMBF geleitet. Auf koreanischer Seite liegt die Leitung alternierend beim Ministerium für Wissenschaft, IKT und Zukunftsplanung (MSIP) bzw. beim Ministerium für Handel, Industrie (MOTIE) und Energie. Mittlerweile können wir auf vier erfolgreiche bilaterale KGCCSIT-Sitzungen zurückblicken.

Die nächste Sitzung ist für November 2015 in Deutschland geplant.

Förderung der Zusammenarbeit mit dem Partnerland

Die bilaterale FuE-Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Südkorea ruht auf vielen Schultern. Neben Kooperationen von Instituten der deutschen Forschungsorganisationen (derzeit jeweils ca. 30 Kooperationen von Fraunhofer- und Max-Planck-Instituten) und einzelner Hochschulen bestehen Kooperationsprojekte, die durch Mobilitäts- und Projektförderung im Rahmen von regelmäßigen BMBF-Förderbekanntmachungen unterstützt werden.

Mobilitätsprogramm

Zur Intensivierung der Kooperation in Forschung und Technologie mit Südkorea werden vom BMBF über das Internationale Büro beim Projektträger DLR Mobilitätsmaßnahmen gefördert. Das bilaterale Mobilitätsprogramm mit Korea (German-Korean Mobility Support Program) läuft seit 2007. Auf koreanischer Seite wird das Programm von der National Research Foundation of Korea (NRF) administriert, die dem Ministry of Science, ICT and Future Planning (MSIP), untersteht. Die Bekanntmachungen orientieren sich an den strategischen Schwerpunkten der jeweiligen nationalen Förderprogramme sowie potentiellen Synergien zwischen diesen Schwerpunkten. Die letzte bilaterale Förderbekanntmachung wurde am 15. Dezember 2014 veröffentlicht und lief bis zum 16. Februar 2015. Die Projektnehmer können bis zu 20.000 Euro für 2 Jahre beantragen.

Die Schwerpunkte der Bekanntmachung waren

  • Gesundheitsforschung einschließlich Medizintechnik
  • Umwelttechnologie, insbesondere Forschung zur Bereitstellung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe: Effizienzsteigerung, Recycling, Substitution von knappen Metallen und Mineralien
  • Informations- und Kommunikationstechnologien

Weitere thematische Bereiche konnten aber gefördert werden, wenn ein besonderes spezifisches Interesse der Partnerländer oder Deutschlands dargestellt werden konnte.

Strukturelle Hochschulpartnerschaften

Auf die Verstetigung durch Mobilitätsmaßnahmen entstandenen Kooperationen richtet sich die Fördermaßnahme „Projekte des BMBF-Förderprogramms zur Etablierung gemeinsamer Forschungsstrukturen deutscher Hochschulen mit Partnern im APRA“. Sie geht auf eine überregionale, deutsche Bekanntmachung für den asiatisch-pazifischen Forschungsraum zurück. Aufgrund des großen Interesses in Südkorea konnte sie als erste bilateral geförderte Bekanntmachung dieser Art weitergeführt werden. Sie zielt auf den Aufbau langfristiger und nachhaltiger Forschungsstrukturen wie die Errichtung eines gemeinsamen Labors, einer gemeinsamen Forschungsgruppe, Forschungsstationen, Versuchsanlagen o. ä. und stellt eine Weiterentwicklung der Mobilitätsförderung dar. Seit Januar 2013 werden drei deutsch-koreanische Hochschulkooperationen jeweils mit bis zu 100.000 Euro pro Projekt und Jahr von deutscher Seite gefördert.

Zweigcampus der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in Busan

Im Bereich der Hochschulbildung betreibt die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg seit 2010 eine Außenstelle in Busan, Südkorea, an der ein Studiengang Master of Science in Chemie- und Bioingenieurwesen nach deutschem Hochschulrecht angeboten wird. Am Campus in Busan können exzellente koreanische Bachelorabsolventen ein Ingenieurstudium absolvieren und mit einem Abschluss der FAU in den internationalen Arbeitsmarkt eintreten.

Der Standort Busan fungiert auch als Forschungszentrum, an dem in den Bereichen Chemische Reaktionstechnik, Bioverfahrenstechnik mit dem Schwerpunkt Marine Biotechnologie und Strömungsmechanik geforscht wird. In den Jahren 2009 – 2011 wurden Laborkapazitäten nach deutschem Vorbild aufgebaut, die in Korea als Referenz für Laborsicherheit dienen.

In Korea gibt es derzeit Bestrebungen, die Ingenieurausbildung stärker auf die Erfordernisse von Industrie und Forschung abzustimmen. In diesem Zusammenhang dienen der interdisziplinäre forschungsbasierte Lehransatz der FAU sowie das Curriculum als Vorbild für die Reform der koreanischen Ingenieurausbildung.

Der FAU Campus Busan war der erste und ist bis heute der einzige eigenständige Zweigcampus einer deutschen Universität in Korea. Der Campus fungiert als Brückenkopf der FAU in Asien und schafft eine Präsenz, die für asiatische und internationale Unternehmen von besonderem Interesse ist. Kürzlich hat die FAU beispielsweise ein Memorandum of Understanding mit Siemens Korea unterzeichnet; dort hat der erste FAU-Student aus Busan mittlerweile sein Praktikum begonnen.

Schwerpunkthemen der Kooperation

Die bilaterale FuE-Kooperation deckt ein sehr breites thematisches Spektrum ab, wobei die Schwerpunkte in den vergangenen Jahren in den Bereichen Lebenswissenschaften, Informations- und Kommunikationstechnologie, Nanotechnologie, Materialforschung, Umweltforschung, physikalische und chemische Technologie sowie Meeres- und Polarforschung lagen.

Beteiligung an EU-Bildungs- und Forschungsprogrammen (mit deutschen Partnern)

Neben der bilateralen Kooperation findet FuE-Zusammenarbeit auch im Rahmen von europäischen Kooperationsprojekten statt. Seit Oktober 2013 läuft das Europäisch-Koreanische Projekt KONNECT, das als forschungspolitisches Koordinationsprojekt die Stärkung der Zusammenarbeit auf den Gebieten Wissenschaft, Technologie und Innovation zum Ziel hat. Dazu sind verschiedene Arbeitspakete definiert, die z. B. Analysen und Studien, Informationsveranstaltungen, Unterstützung des bilateral koreanisch-europäischen politischen Dialogs und die Durchführung gemeinsamer Förderbekanntmachungen beinhalten. Rahmen von KONNECT wird vom Internationalen Büro eine gemeinsame Förderbekanntmachung zum Thema „Resources and Sustainability“ vorbereitet, die voraussichtlich im September 2015 startet.

European Interest Group (EIG) for Korea

Die European Interest Group (EIG) for Korea ist ein Forum, welches die Zusammenarbeit von Ländern der EU mit Korea auch nach dem Auslaufen des aktuellen EU-Projektes KONNECT und vorher KORANET zum Ziel hat. Dabei soll auf den Kontakten und Erfahrungen der ausgelaufenen EU-Projekte aufgebaut werden.

Die EIG ist ein offenes Forum, welchem weitere Länder der EU wie auch weitere Forschungseinrichtungen der EU und Korea beitreten können. Die Hauptziele der EIG sind:

  • Austausch zu aktuellen Kooperationen: Information, Koordinierung, Networking
  • Entwicklung neuer Förderinstrumente
  • gemeinsame Bekanntmachungen
  • für kleinere EU-Länder Möglichkeiten zur Beteiligung und Kontakte mit Korea, ohne ein eigenes bilaterales Regierungsabkommen zu haben
  • Zugang für Korea zu kleineren Ländern der EU
  • Einbindung von Industrie

Gemeinsame Aktivitäten können dabei vielfältig aussehen:

  • Gemeinsame Förderbekanntmachungen
  • Matchmaking-Events
  • Workshops
  • Informationstage, etwa zu Fördermöglichkeiten oder zum Europäischen Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020.

Anders als die EU-Projekte KORANTE und KONNECT erhält die EIG keine Fördermittel der EU. Dafür muss sie aber auch keine Vorgaben der Kommission einhalten.

Das letzte Treffen der EIG hat am 25. März 2015 in Brüssel stattgefunden. Das nächste Treffen ist für 2016 geplant und wird vom Internationalen Büro ausgerichtet. Demnächst soll es eine eigene Website für die EIGs mit Korea und Japan geben.

ADeKo - Das Alumninetzwerk Deutschland-Korea

ADeKo e. V., der im Mai 2008 gegründete Gesamtverband koreanischer Deutschland-Alumni, ist eines der großen Deutschland-Alumni-Netzwerke. Es wurde vom BMBF anschubfinanziert. ADeKo bündelt unter seinem Dach ungefähr 50 koreanische Deutschland-Alumni-Vereine sowie zahlreiche Einzelmitglieder und ist ein eingetragener Verein in Südkorea. Unter dem ADeKo-Dach sind inzwischen knapp 7.000 Mitglieder vereint, worunter auch viele hochrangige Vertreter aus Politik und Wissenschaft in Südkorea. Die Mitglieder von ADeKo verfolgen mit großem Engagement die Stärkung der deutsch-koreanischen Beziehungen auf wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene und pflegen auch den kulturellen Austausch.

Die Vereinsarbeit wird von einem Senior- und einem Juniorvorstand zusammen mit dem ADeKo-Büro im DAAD-Informationszentrum in Seoul getragen. Zu den Vorstandsmitgliedern von ADeKo zählen Vertreter der koreanischen Wissenschaftslandschaft, die Präsidentin des DAAD und von Amts wegen der deutsche Botschafter in Südkorea und der koreanische Botschafter in Deutschland. Fach- und sachspezifische Ausschüsse unterstützen den Vorstand bei seiner Arbeit.

ADeKo organisiert regelmäßig in verschiedenen Formaten Veranstaltungen von und für Alumni. Zu den wichtigsten Aktivitäten von ADeKo zählt die Organisation von seit 2009 stattfindenden jährlichen Fachtagungen mit wechselnden thematischen Schwerpunkten, die als Forum für den Austausch deutscher und koreanischer Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Politik dienen. Im Oktober 2014 wurde diese Konferenz als „Joint Korean-German Conference on Future and Technology“ von mehreren koreanischen und deutschen Partnern ausgerichtet. Verschiedene Sessions boten den rund 600 Teilnehmern die Gelegenheit, u.a. aktuelle Schwerpunkte der Forschung in Südkorea sowie Entwicklungen und Zukunftsperspektiven für die deutsch-koreanische Kooperation zu diskutieren. Diese jährliche Veranstaltung bringt nicht nur wichtige Akteure in der deutsch-koreanischen Kooperation zusammen, sondern trägt auch dazu bei, Deutschland als attraktiven Forschungsstandort und Forschungspartner in Südkorea zu präsentieren.