Vietnam

Vietnam hat in den letzten Jahren seine Rolle als einer der dynamischsten Partner des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in der Region mit Kooperationsschwerpunkten in den Bereichen Wasser- und Umwelttechnologien, Landmanagement, Bioökonomie und Forschungsmanagement bestätigt.

Hoa-Binh-Staudamm in Vietnam

© Internationales Büro/Ludwig Kammesheidt

Vietnam hat in den letzten Jahren seine Rolle als einer der dynamischsten Partner des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in der Region mit Kooperationsschwerpunkten in den Bereichen Wasser- und Umwelttechnologien, Landmanagement, Bioökonomie und Forschungsmanagement bestätigt.

Politischer Rahmen

Grundlage der bilateralen Kooperation zwischen Vietnam und Deutschland ist ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit, das anlässlich des Staatsbesuchs des vietnamesischen Präsidenten Truong Tan Sang am 25. November 2015 in Berlin unterzeichnet wurde.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 10-jährigen Bestehen der WTZ wurde im September 2006 eine Interministerielle Arbeitsgruppe zwischen dem Ministry of Science & Technology (MoST) und dem BMBF eingerichtet, die seitdem in regelmäßigen Abständen tagt. Im Protokoll der ersten gemeinsamen Sitzung zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit wurde vereinbart, die erfolgreiche Zusammenarbeit in den Bereichen

  • Wasser-/Umweltforschung und -technologie,
  • Biotechnologie und
  • Forschungsmanagement

fortzusetzen und zu vertiefen.

Schwerpunkte der Kooperation

In den Biotechnologien fokussiert sich derzeit die Zusammenarbeit auf die Bereiche Bioökonomie und nachhaltiges Landmanagement. Im Einzelnen werden folgende Maßnahmen durchgeführt.

Wasser- und Umwelttechnologien

Für den Bereich Wasser- und Umwelttechnologien wurde bei der 1. Sitzung der Interministeriellen Arbeitsgruppe BMBF-MoST am 28.09.2006 eine strategische Partnerschaft „Wasser“ vereinbart und die Einrichtung eines vietnamesisch-deutschen „Projektbüro Wasser- und Umwelttechnologie“ beschlossen, das im Oktober 2007 in Hanoi eröffnet wurde.

Mit dem Willen, die Kooperation in der Wasser- und Umweltforschung im strategischen Interesse beider Länder verstärkt auf die stetig steigenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auszurichten und unter Berücksichtigung des Klimawandels zu nachhaltigen Lösungen im Umgang mit natürlichen Ressourcen zu gelangen, wurde das gemeinsame Büro mit der Vereinbarung vom März 2013 in „Vietnamesisch-deutsches Büro für Wasser und Nachhaltigkeit“ umbenannt und neu strukturiert.

Die Kernaufgaben des gemeinsamen Büros von BMBF und MoST sind die logistische und organisatorische Unterstützung bei Delegations- oder Dienstreisen, fachwissenschaftliche projektübergeordnete Zuarbeit, Verbreitung von Ergebnissen einschließlich Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation mit Institutionen und Akteuren.

Im Bereich „Wasser- und Umwelttechnologie“ laufen in 2015 insgesamt acht Verbundprojekte, davon fünf in der Fördermaßnahme CLIENT (Internationale Partnerschaften für nachhaltige Klimaschutz- und Umwelttechnologien und -dienstleistungen)

Bioökonomie

Vietnam ist eines der acht Fokusländer in der BMBF-Bekanntmachung „Bioökonomie International“, die seit 2013 ausgeschrieben wird. Mittlerweile wurde eine bilaterale Förderlinie mit Ko-Finanzierung durch das MoST vereinbart. Erste gemeinsame Vorhaben aus dieser Bekanntmachung gehen in der zweiten Jahreshälfte 2015 an den Start.

Nachhaltiges Landmanagement

Derzeit laufen zwei Verbundvorhaben im Förderprogramm „Nachhaltiges Landmanagement, Modul A“ mit Vietnam:

„LUCCi“ (Land Use and Climate Change Interactions), koordiniert durch die Fachhochschule Köln, hat zum Ziel die Wechselwirkungen zwischen Landnutzung und Klimawandel im Vu Gia Thu Bon River Einzugsgebiet zu analysieren, um daraus Rückschlüsse auf eine nachhaltige Landnutzung zu ziehen. Hierbei spielen zum einen die Auswirkungen der Landnutzungsänderungen auf Treibhausgasemissionen und zum anderen die Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosystemdienstleistungen eine entscheidende Rolle. Die Arbeiten erfolgen in enger Zusammenarbeit mit vietnamesischen Projektpartnern und unterstützen die ökologische und sozioökonomische Nachhaltigkeit in der Region und tragen zur Ernährungssicherung bei (Laufzeit: 07/2010-12/2015).

Bei „LEGATO“ (Land-use intensity and Ecological EnGineering – Assessment Tools for risks and Opportunities in irrigated rice based production systems), koordiniert durch das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, steht die Interaktion zwischen Landmanagement und Ökosystemdienstleistungen in Südostasien (Vietnam und Philippinen) im Fokus. Untersucht werden die Wechselwirkungen von bewässerten Reiskulturen mit der umgebenden Landschaft und der Gesellschaft in Bezug auf Ökosystemdienstleistungen und die ihnen zugrundeliegenden Ökosystemfunktionen. Ein zentrales Ergebnis wird die Entwicklung von Richtlinien für die Optimierung von Ökosystemdienstleistungen bzw. deren Stabilisierung unter den Bedingungen des Klimawandels und Landnutzungsänderungen sein. Als zentrale Stellschraube fungiert hierbei das „Landmanagement“ (Laufzeit: 03/2011-02/2016).

Forschungsmanagement

Von besonderer politischer Bedeutung ist die Kooperation im Forschungsmanagement, bei der die vietnamesische Forschungs- und Innovationslandschaft an internationale Standards herangeführt werden soll. Teil dieser Bemühungen ist die Einrichtung des "Vietnam Science and Technology Evaluation Center“ (VISTEC), das 2006 gegründet wurde. VISTEC gehört zum Geschäftsbereich des MoST und hat die Aufgabe, Stellungnahmen zur inhaltlichen und strukturellen Entwicklung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu erarbeiten. In einem Projekt des VISTEC mit dem Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik und dem Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) wurden von 2011-2013 gemeinsam die Grundlagen für die Evaluation der vietnamesischen Forschungsinstitutionen entwickelt und der Aufbau von Wissen und Kapazitäten in fortgeschrittenen Evaluationstechniken weiter vertieft.

Aufbau von Forschungspräsenzen

Im Rahmen der BMBF-Bekanntmachung „Aufbau von Forschungspräsenzen in Südostasien“ wird die Einrichtung eines Forschungsnetzwerks zu „Melioidosis und Burkholderia pseudomallei“ gefördert. Das Bodenbakterium B. pseudomallei ist der Erreger der Meliodosis, einer Infektionskrankheit der Tropen und Subtropen, deren weltweite Bedeutung zunehmend erkannt wird, die aber bislang kaum erforscht worden ist. Auf deutscher Seite wird das Vorhaben vom Friedrich-Löffler Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Greifswald koordiniert. Partner in Vietnam sind u.a. das Bach Mai Hospital und das Institute of Micobiology and Biotechnology der Vietnam National University, beide in Hanoi (Laufzeit: 10/2013-09/2017).

Vietnamese-German University (VGU)

Eine umfassende Neuorientierung des vietnamesischen Hochschulwesens soll mit internationaler Unterstützung stattfinden. Die Vietnamese-German University (VGU) in Ho Chi Minh Stadt ist die erste staatliche Hochschule mit ausländischer Beteiligung. Ziel der vietnamesischen Regierung ist es, eine forschungsbasierte Modellhochschule (New Model University) aufzubauen, deren Vorbild auf das gesamte System übertragen werden kann. Die VGU (eine Initiative Hessens) wurde am 10. September 2008 eröffnet.

Der am 17. Februar 2009 gegründete Konsortialverein VGU e.V. stellt mit seinen 37 Mitgliedshochschulen und -institutionen (darunter auch der TU9-Verbund) das akademische Rückgrat der VGU dar. Ständige Gäste im Vorstand sind DAAD, BMBF und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK).

Die englischsprachigen Lehrveranstaltungen finden bis zum Campusneubau in einem Übergangsgebäude auf dem Campus der Eastern International University in Binh Duong statt. Der VGU eigene Campus wird unweit des jetzigen Übergangscampus in der Region Binh Duong bis voraussichtlich 2017 fertiggestellt. Finanziert wird der Bau aus Mitteln der Weltbank in Höhe von 180 Mio. US-Dollar.

Zurzeit werden elf Studienprogramme (ein MBA, sechs Master- und vier Bachelorprogramme mit Foundation Year) in den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften angeboten.

Zum Wintersemester 2015/16 sind rund 1.200 Studierende an der VGU eingeschrieben. Die Kapazität soll in drei Stufen bis 2030 auf 12.000 Studierende ausgebaut werden.

Rolle des Internationalen Büros

Das Internationale Büro verfolgt im Auftrag des BMBF das Ziel, die internationale Vernetzung deutscher Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen auszubauen, um Kompetenzgewinne und Innovationsvorsprünge für die deutsche Wissenschaft und Wirtschaft herauszuarbeiten. Damit leistet das Internationale Büro einen Beitrag zur Umsetzung der internationalen Dimension in den Fachprogrammen des BMBF.