Indien

Die deutsch-indische Kooperation in Wissenschaft und Forschung verzeichnete in den fast 60 Jahren ihres Bestehens eine kontinuierliche Steigerung der Intensität. Nach den USA ist Deutschland mittlerweile zweitwichtigster Partner Indiens in diesem Bereich. Das „Indo-German Science and Technology Center“ in Neu-Delhi ist das weltweit einzige bilaterale Zentrum Deutschlands dieser Art.

Indische Flagge

Fördermöglichkeiten

Das Internationale Büro (IB) veröffentlicht im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) regelmäßig drei unterschiedliche Arten von Förderbekanntmachungen zur Realisierung deutsch-indischer Forschungskooperationen:

  • 2+2 Förderbekanntmachungen im Rahmen des „Indo-German Science and Technology Center (IGSTC)“. Unter „2+2 Projekten“ werden Forschungs- und Entwicklungs- (FuE) Projekte mit Beteiligung mindestens einer deutschen und einer indischen Forschungseinrichtung und mindestens einem deutschen und einem indischen forschenden Industriepartner verstanden. Die letzte IGSTC Bekanntmachung war bis zum 16. Januar 2017 geöffnet.       
  • Förderbekanntmachungen im Rahmen des indisch-europäischen ERA-Netzes „INNO INDIGO“. Gefördert werden Projekte mit mindestens einem indischen und zwei europäischen Partnern aus an der Bekanntmachung teilnehmenden Ländern.
  • Förderbekanntmachungen zu projektbezogener Mobilität mit dem Indian Council of Medical Research (ICMR), dem Indian Department of Biotechnology (DBT) und dem Indian Council of Scientific and Industrial Research (CSIR).

Das IGSTC bietet ferner jährlich stattfindende Workshop-Calls in ausgewählten Themenbereichen an, die durch das IGSTC veröffentlicht werden. Außerdem gibt es vereinzelt Bekanntmachungen der Fachreferate des BMBF die Kooperationsmöglichkeiten mit Indien bieten.

Politischer Rahmen

Der Ausbau der Zusammenarbeit mit forschungsdynamischen Ländern in Wachstumsmärkten ist ein Ziel der "Hightech-Strategie für Deutschland". Die Bundesregierung unterstützt dabei die Zusammenarbeit mit Ländern, die ihre Kompetenzen in Forschung und Entwicklung stark ausbauen und damit zu interessanten Partnern für den Hightech-Standort Deutschland werden.

Eine Stärkung der Zusammenarbeit mit Indien entspricht ebenfalls drei von vier Zielen der „Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung“, namentlich

  • die Forschungszusammenarbeit mit den weltweit Besten stärken,
  • Innovationspotenziale international erschließen,
  • international Verantwortung übernehmen und globale Herausforderungen bewältigen.

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Indien ist eines der strategisch wichtigsten Zukunftsfelder der deutsch-indischen Beziehungen im Rahmen der strategischen Partnerschaft beider Länder. Die deutsch-indischen WTZ-Beziehungen beruhen auf dem Abkommen über die friedliche Nutzung der Kernenergie und des Weltraumes (1971), dem Abkommen über die Zusammenarbeit in wissenschaftlicher Forschung und technischer Entwicklung (1974) sowie einer großen Zahl von Einzelvereinbarungen zwischen deutschen und indischen Forschungseinrichtungen und Mittlerorganisationen.

Umfang und Zielrichtung der WTZ werden seit 1996 vom Deutsch-Indischen Komitee für Wissenschaft und Technologie festgelegt, das unter der Führung eines Staatssekretärs des BMBF und des Department of Science und Technology (DST) alle zwei Jahre tagt. Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung, Bildung und Wissenschaft nimmt bei den seit 2010 durchgeführten bilateralen Regierungskonsultationen eine wichtige Rolle ein. Zusätzlich gibt es hochrangige bilaterale Arbeitsgruppen für die Themen „Hochschulbildung“ und „Berufliche Bildung“.

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Die Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit mit Indien umfasst drei komplementäre Bereiche:

  • Gemeinsame Forschungsprojekte in den Fachprogrammen des BMBF und im Rahmen von 2+2 Ausschreibungen des IGSTC.
  • "Projektbezogenen Mobilitätsförderung" des Internationalen Büros (IB) zur Durchführung kleinerer gemeinsamer Forschungsprojekte die erste Kontakte ermöglichen oder bestehende vertiefen und somit die Grundlage für die Planung größerer Forschungsvorhaben bilden. Workshops, Konferenzen oder Fachdelegationsreisen können ebenfalls im Rahmen dieser Bekanntmachungen gefördert werden.
  • Austausch von Studierenden und jungen Wissenschaftlern über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen des Programms „A new Passage to India“, die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der den Humus für Projekte und langfristige Kooperationen bildet.

Thematisch liegen die Schwerpunkte momentan in der Biotechnologie, Gesundheitsforschung, Nachhaltigkeitsforschung, Ingenieurwissenschaften und der zivilen Sicherheitsforschung.

Deutschland beteiligt sich gemeinsam mit anderen EU-Mitgliedsstaaten an multilateralen Forschungsaktivitäten, unter anderem in dem ERA-Net „INNO INDIGO“.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Indo German Science and Technology Centre (IGSTC)

Das IGSTC wurde beim Besuch von Bundesministerin Schavan am 9. September 2008 in New Delhi offiziell eröffnet. Für die Förderung anwendungsorientierter Forschungsprojekte durch das Zentrum stellen BMBF und DST jeweils 2 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Grundlage der Projektförderung sind gemeinsame jährliche Förderbekanntmachungen mit wechselnden thematischen Schwerpunkten. Der Direktor des IGSTC ist Dr. Chakraborty. Weiterhin soll das Zentrum als Plattform für die Entwicklung bilateraler Netzwerke dienen. Hierzu veranstaltet das Zentrum u.a. Workshops und Konferenzen.

A New Passage to India

Um den Austausch von Studenten und Studentinnen zwischen Deutschland und Indien zu intensiveren, hat der DAAD 2008 aus Fördermitteln des BMBF (rund 4 Millionen Euro pro Jahr) die länderspezifische Kampagne „A New Passage to India“ initiiert. Gefördert werden Studienaufenthalte deutscher Studierender, Graduierter und Promovierter an indischen Hochschulen, sowie die Möglichkeit nach dem Hochschulabschluss ein Jahr an einer indischen Institution zu arbeiten.
Ein weiterer Baustein des Programms ist das „Indo-German Center of Sustainability“ (IGCS) am IIT Madras. Offiziell wurde es am 6.12.2010 durch den Parlamentarischen Staatssekretär Rachel und Prof. Swaminathan (Mitglied des Oberhauses) eingeweiht. Inzwischen arbeiten und forschen zwei deutsche Arbeitsgruppenleiter als Gastprofessoren des IIT Madras am IGCS.

International Centre for Advanced Studies in the Humanities and the Social Sciences (ICAS)

Das Zentrum wird derzeit in Delhi etabliert und soll von einem deutsch-indischen Direktorenteam geleitet werden. Auf deutscher Seite sind die Max-Weber-Stiftung, sowie die Universitäten Göttingen, Würzburg und Erfurt beteiligt, auf indischer Seite mehrere Universitäten in Delhi. Das Zentrum wird zum Thema: „Metamorphosen des Politischen: vergleichende Perspektiven auf das lange 20 Jhd.“ ICAS wird ein Fellowship-Programm anbieten und soll insgesamt zur Internationalisierung der Sozial- und Geisteswissenschaften beitragen.

Indische Beteiligung an europäischen Großforschungsanlagen

Indien ist am Bau des neuen Beschleunigers für die Forschung mit Ionen- und Antiprotonenstrahlen „FAIR“ der GSI in Darmstadt sowie am Bau des internationalen Fusionsreaktors ITER in Frankreich beteiligt. Darüber hinaus investiert Indien aktiv in die Kooperation mit DESY.

Berufsbildung

Das BMBF kooperiert seit 2007 mit der indischen Regierung in der Berufsbildung; in jährlichen Treffen einer bilateralen Arbeitsgruppe auf Staatssekretärsebene werden die gemeinsamen Aktivitäten beraten und gesteuert. Die Zusammenarbeit hat nach den Kongresswahlen im Jahr 2014 an Dynamik gewonnen und konzentriert sich derzeit auf den Aufbau von Unternehmensclustern zur Durchführung dualer – vorwiegend betrieblicher – Apprenticeships. Als „Rollenmodell“ hierfür gilt das BMBF-geförderte Projekt VETnet an der AHK in Pune, in dem seit 2013 Elemente dualer Berufsbildung erprobt werden. Hierbei werden sich starke Synergien mit dem von BMZ geplanten und von der GIZ umzusetzenden Berufsbildungsprojekt ergeben. Die BMBF-Initiative iMOVE unterstützt den Zugang deutscher Bildungsanbieter zum indischen Bildungsmarkt, bspw. durch die Ausschreibung von Weiterbildungsmaßnahmen für indische Master-Trainer in Deutschland. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) berät die indische Seite bei der Entwicklung innovativer Rahmencurricula. Darüber hinaus ist deutsche Unterstützung beim Aufbau eines „National Institutes for Higher Vocational Learning for Workers“ und bei der Etablierung von Weiterbildungseinrichtungen im Bereich „Energieeffizientes Bauen“ vorgesehen. Das bestehende Memorandum of Understanding soll im Zuge der Regierungskonsultationen im Oktober 2015 erneuert werden. Das Internationale Büro koordiniert und moderiert die verschiedenen Aktionslinien und hält den direkten Kontakt zu den indischen und deutschen Partnern im Auftrag des BMBF.

Die Rolle des Internationalen Büros

Die bi- und multilaterale Kooperation der Regierungen sowie der Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen wird in Deutschland auch vom Internationalen Büro (IB) unterstützt.