Polen

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen steht im Bereich Bildung und Forschung auf einem festen Fundament. Dadurch bietet sie eine hervorragende Ausgangslage weitere Kooperationen im europäischen Forschungsraum. Nun gilt es, die bereits gewonnenen Erfahrungen zu nutzen und gemeinsam die Zukunft zu bestreiten.

Altstadt von Warschau

© Internationales Büro/Michael Lange

Förderung der Zusammenarbeit mit Polen

Das BMBF hat vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung seit 2004 das Förderprogramm "Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa" („Regionalausschreibung“) aufgelegt, mit dem Forschungsprojekte deutscher Wissenschaftler/-innen mit Partnern aus Mittel- und Osteuropa gefördert werden. Ziel dieser Projekte ist eine gemeinsame Projektantragstellung in den Förderprogrammen des BMBF oder bei Horizont 2020. Viele Konsortien aus deutschen und polnischen Partnern beteiligen sich mit Projektanträgen an dieser Bekanntmachung. Darüber hinaus werden Maßnahmen zur Ausarbeitung von Konzepten zum Aufbau gemeinsamer Forschungsbasen gefördert. Durch Etablierung dieser gemeinsamen Forschungsbasen sollen Forschungseinrichtungen aus dem Partnerland mit deutschen Forschungseinrichtungen und der forschenden Industrie personell, organisatorisch und finanziell miteinander verflochten werden.

Bei dem vom BMBF seit 2010 ausgeschriebenen Förderprogramm „Ideenwettbewerb zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten - Circum Mare Balticum –“ („Ostseeausschreibung“) zur Initiierung von interdisziplinären, innovativen FuE-Netzwerken im Ostseeraum mit Beteiligung aller Ostseeanrainerstaaten, beteiligen sich polnische Institutionen zusammen mit Partnern aus Estland, Lettland, Litauen und den nordischen Ländern an einer Vielzahl von Projekten. Themenbereiche der Projekte dieses Förderprogramms sind die Energieforschung, Umweltforschung und -technologien, IKT, Meeresforschung, Innovation sowie Gesundheitsforschung und Biotechnologien. Ziel des Förderprogrammes ist es, durch die internationale Zusammenarbeit Innovationspotenziale zu erschließen und internationale Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Ostseeraum gemeinsam mit ihren Partnern zu stärken.

Im Rahmen seiner Initiative für den Forschungsstandort Deutschland werden Projekte und Maßnahmen unterstützt, die in wichtigen Zielländern wie Polen die Attraktivität Deutschlands und seiner Forschungslandschaft vorstellen. Zum Beispiel die Beteiligung an der Umweltmesse POLEKO.

Politischer Rahmen

Polen ist aufgrund seiner wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Deutschland der wichtigste Partner Deutschlands unter den mittel- und osteuropäischen Ländern.

Die deutsch-polnische Forschungszusammenarbeit basiert auf dem Abkommen für die Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) vom 10. November 1989 und hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Diese bilaterale Kooperation bietet eine hervorragende Ausgangslage für die Zusammenarbeit im europäischen Rahmen. Mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union haben die Beziehungen zu Polen im Bereich Bildung und Forschung eine neue Qualität erreicht.

Aktueller Kooperationspartner auf Regierungsebene ist das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW). Die deutsch-polnische Gemischte WTZ-Kommission trifft sich in der Regel im Abstand von zwei Jahren abwechselnd in Polen oder in Deutschland und entscheidet über die Inhalte und Schwerpunkte der Zusammenarbeit sowie die gemeinsamen Aktivitäten.

Im polnischen nationalen Rahmenprogramm werden als strategische Forschungsfelder der Jahre 2005 bis 2015 folgende Bereiche genannt:

  • Gesundheit Umwelt
  • Landwirtschaft und Nahrung
  • Staat und Gesellschaft
  • Sicherheit
  • Neue Materialien und Technologien
  • Informationstechnologien
  • Energie und Energiequellen
  • Verkehrsinfrastruktur

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Klinische Neurowissenschaften

In den klinischen Neurowissenschaften wurden mit der zweiten gemeinsamen Ausschreibung nationale Programme in Deutschland und Polen verbunden: 23 deutsch-polnische Projekte konnten im Zeitraum 2002-2010 dadurch gefördert werden. Damit wurden die Voraussetzungen für den Ausbau der Kooperation im europäischen Rahmen geschaffen. Im Zeitraum 2007-2010 arbeiteten Deutschland und Polen mit neun weiteren Partnerländern in dem ERA-Net NEURON (Network of European Funding for Neuroscience) zusammen, Deutschland war an elf Projekten und Polen an einem Projekt beteiligt.

Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit rückt in Verbindung mit den nationalen Rahmenprogrammen "Handlungsorientierte Nachhaltigkeitskonzepte" und "Verletzlichkeit des Systems Erde" zunehmend in den Vordergrund der bilateralen Aktivitäten. Im Rahmen von zwei deutsch-polnischen Workshops zur "Nachhaltigen Entwicklung" (Oktober 2003 und 2005 in Kattowitz und Cottbus) wurden insbesondere die Themen "Bildung für die Nachhaltigkeit" und "Nachhaltige Produktionstechnologien" sowie "Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft" und "Nachhaltiger Tourismus" behandelt. Am 9. Dezember 2008 unterzeichneten das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das polnische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW) ein Abkommen über die Kooperation auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsforschung. Ziel ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit in den Gebieten nachhaltige Entwicklung, Innovation, Klimawandel, erneuerbare Energien und umweltverträgliche Technologien. Vor diesem Hintergrund fand im November 2009 die dritte polnisch-deutsche Konferenz "Nachhaltige Entwicklung - Von der wissenschaftlichen Forschung zur politischen Umsetzung" in Polen statt.. Für gemeinsame Projekte zu den Themen „Klima und Energie“, „Nachhaltiges Wirtschaften und Ressourcen“ sowie „Nachhaltiges Landmanagement“ haben das BMBF und das polnische MNiSW bis Ende 2013 rund sechs Millionen Euro bereitgestellt. Erfolgreiche Anträge deutsch-polnischer Projektteams wurden von beiden Ministerien gemeinsam gefördert. Forschungsschwerpunkte der Bekanntmachung waren naturwissenschaftliche, technologische, organisatorische, sozial- und gesellschaftswissenschaftliche Aspekte der Nachhaltigkeitsforschung. Die Projekte sollten sich auf solche Themen der Nachhaltigkeitsforschung fokussieren, die aufgrund ihrer ökologischen oder ökonomischen bzw. wissenschaftlichen Bedeutung von großem Interesse für Deutschland und Polen sind. Darüber hinaus soll durch die Forschungszusammenarbeit der Europäische Forschungsraum gestärkt werden.

Internationale Umweltmesse POLEKO

Das BMBF beteiligte sich seit 2005 mit einem Messestand und begleitenden Veranstaltungen an der größten Umweltmesse in Osteuropa, der Internationalen Umweltmesse POLEKO. Sie findet jeweils im Herbst in Polen statt. Zahlreiche deutsche Forschungseinrichtungen präsentierten auf dem BMBF-Messestand ihre anwendungsnahen Projekte und Produkte und gewannen dadurch künftige Kooperationspartner aus der polnischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Deutsch-Polnisches Forschungsforum

Am 22. April 2008 fand in Leipzig das erste Deutsch-Polnische Forschungsforum statt. Bundesforschungsministerin Annette Schavan und ihre polnische Amtskollegin Barbara Kudrycka eröffneten das Forum, an dem rund 250 hochrangige Vertreter aus Politik, Hochschulen, Wissenschaft und Forschung die Weichen für eine engere Zusammenarbeit der beiden Länder stellten.

Im Mittelpunkt stand die Förderung junger Wissenschaftler und die Stärkung von Partnerschaften und Netzwerken. Inhaltliche Schwerpunkte waren Umweltforschung und nachhaltige Entwicklung, sowie die Geistes- und Sozialwissenschaften. Das Forum war das erste in dieser Art zwischen den beiden Ländern: Es stellte die Leistungen der bisherigen deutsch-polnischen Forschungskooperation vor und zeigte die Möglichkeiten künftiger Kooperationen auf. Hierzu gaben Arbeitsgruppen zu sechs Themenbereichen Vorschläge und Empfehlungen ab. In einer Podiumsdiskussion äußerten sich Vertreter führender Wissenschafts- und Mittlerorganisationen beider Länder zu den Perspektiven der Zusammenarbeit.

Zusammenarbeit im Rahmen der EU

Entsprechend der Bedeutung, die Forschung und Technologie in beiden Ländern zukommt, hat sich die Zusammenarbeit in diesem Bereich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Unmittelbare Nachbarschaft, enge bilaterale Beziehungen, EU-Mitgliedschaft und vielfältige Kooperationsstrukturen prägen die Zusammenarbeit. Bei den Themen der Zusammenarbeit sind insbesondere die Bereiche Lebenswissenschaften, Gesundheit, Forschung für die Nachhaltigkeit und Umweltforschung, Materialforschung, Physikalische und chemische Technologien, Fusionsforschung, Geistes- und Sozialwissenschaften hervorzuheben. Zusammenarbeit erfolgt insbesondere auch im Rahmen der EU-Forschungsrahmenprogramme.

Weitere Ziele sind der Ausbau und die Stärkung der nachbarschaftlichen Beziehungen und des Dialogs, die Schaffung leistungsstarker FuE-Netzwerke zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen, die Erstellung von Beiträgen zur Stärkung des Europäischen Forschungsraums, sowie regionale Kooperationen und der Austausch und die Förderung junger Forschender.

Die Internationalisierung und Vertiefung der europäischen Integration sind die Chancen für die deutsche Wissenschafts- und Forschungslandschaft und für die Wirtschaft.